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Sinnlose Wettbewerbe: Warum wir immer mehr Unsinn produzieren
 
 
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Sinnlose Wettbewerbe: Warum wir immer mehr Unsinn produzieren [Gebundene Ausgabe]

Mathias Binswanger
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: Verlag Herder; Auflage: 1 (7. September 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3451303485
  • ISBN-13: 978-3451303487
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,2 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 256.492 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"In seinem neuen Buch »Sinnlose Wettbewerbe - Warum wir immer mehr Unsinn produzieren« klagt Mathias Binswanger die Markt- und Wettbewerbsgläubigkeit der heutigen Zeit an." (Neue Luzerner Zeitung 20101220)

"Anhand der Pseudomärkte Bildung, Wissenschaft und Gesundheitswesen analysiert und kommentiert Binswanger brillant den Unsinn der Produktion von immer mehr Abschlüssen und Studenten, von immer mehr Publikationen und Rankings, von immer mehr Untersuchungen und Medikamentenvergaben." (Publik-Forum 20101201)

"Das Buch ist eine Streitschrift gegen eine grenzenlose Wettbewerbseuphorie und ein Plädoyer für mckinseyfreie Zonen, wenn es um Güter des Gemeinwohls geht." (Frankfurter Rundschau 20110116)

"Spannend wird Binswangers Buch immer dort, wo er mit aktuellen Beispielen solch fehlgeleiteten Wettbewerb darstellt." (Bilanz )

"Es ist eine Streitschrift gegen eine grenzenlose Wettbewerbseuphorie und ein Plädoyer für mckinseyfreie Zonen, wenn es um Güter des Gemeinwohl geht." (Die Tageszeitung taz )

Kurzbeschreibung

Je mehr Wettbewerb - desto mehr Wachstum, das ist der fatale Irrtum des einseiteigen Marktdenkens. Schließlich soll sich doch der, die oder das Beste durchsetzen. Also versucht man, auch dort, wo es keinen Markt gibt, künstliche Wettbewerbe zu inszenieren, um z.B. Wissenschaft, Bildung oder Gesundheitswesen auf Effizienz zu trimmen. Doch dies führt nicht zu mehr Qualität, sondern dazu, dass viele Menschen freudlos und gestresst mit Akribie und Fleiß Dinge hervorbringen, die niemand braucht. Der kompetente Autor vertritt die Meinung, dass diese Produktion von Unsinn zwar Arbeitsplätze schafft, doch fatale Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft hat: Sinn wird durch Unsinn verdrängt, Qualität durch Quantität. (20101004)


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Matthias Binswanger zeigt auf, wo es hinführt, wenn man Märkte dort sehen will, wo es keine gibt oder den Wettbewerb dort einführt, wo die eigentliche Leistung nicht mit einfachen Kennzahlen gemessen werden kann. Beispielhaft führt er unter anderem die Wissenschaft und die Gesundheitsversorgung an.
Dabei ist das von Binswanger geschilderte Grundproblem, dass mit einem künstlichen Wettbewerb erstens die falschen Ziele gefördert werden und zweitens die intrinsische Motivation vollständig vernachlässigt wird und nur auf eine extrinsische Motivation gesetzt wird. Dies führt zu Blödsinn.
Es ist damit ein Buch gegen den sich immer weiter verbreitenden Glauben, dass die Märkte es schon richten und dort wo diese noch nicht vorhanden sind, künstlich Märkte oder zumindest Wettbewerbssituationen geschaffen werden müssen. Überraschend ist dabei, dass Binswanger selbst von seiner Profession her eher zu den Befürwortern des kritisierten Ansatzes gehören sollte. Er ist Volkswirtschaftler.
Das Buch ist unterhaltsam geschrieben und damit für jeden Interessierten leicht zu lesen. Deshalb sind letztlich 5 Sterne gerechtfertigt.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Der Autor dieses Buches, Mathias Binswanger, ist ein Schweizer Volkswirtschaftler und als Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz tätig.

Seinem Buch "Sinnlose Wettbewerbe" liegt die folgende Kernthese zugrunde (S. 15):

"Ein Markt lässt sich nicht künstlich inszenieren. Künstlich inszenieren lassen sich nur Wettbewerbe, aber diese sorgen im Gegensatz zu einem funktionierenden Marktwettbewerb nicht dafür, dass die Produktion optimal auf die Bedürfnisse der Nachfrager angepasst ist. Nur wo Wettbewerb und Markt zusammenfallen und Marktwettbewerb herrscht, kann die von Adam Smith erstmals beschriebene 'unsichtbare Hand' unter bestimmten Bedingungen über das Preissystem wirken und für Effizienz sorgen. Bei Wettbewerben ohne Markt ist das hingegen nicht der Fall. Statt an den Bedürfnissen der Nachfrager orientieren sich die Produzenten eines Produktes oder einer Leistung an irgendwelchen Kennzahlen oder Indikatoren, die für den Erfolg im Wettbewerb maßgebend sind. Die Ausrichtung an diesen Kennzahlen führt jedoch nicht zu Effizienz, sondern sorgt für perverse Anreize, die dann folgerichtig auch perverse Resultate ergeben."

Binswanger ist kein grundsätzlicher Gegner der Marktwirtschaft und ihrer Prinzipien. In Kapitel 2 ("Der Idealfall des Wettbewerbs") legt er allgemein verständlich ideengeschichtliche Grundlagen marktwirtschaftlichen Denkens dar - vor allem Adam Smiths Theorem der "unsichtbaren Hand" - und analysiert, unter welchen realtypischen Bedingungen Wettbewerb auf Märkten im Smith'schen Sinne funktionieren kann.

In Kapitel 3 führt er aus, warum Wettbewerb ohne tatsächliche Märkte nicht zielführend sein kann: Die Theorie ("es fehlt der Preismechanismus", "perverse Anreize") wird durch eindrückliche empirische Beispiele verdeutlicht (wie jenes der privatisierten englischen Parkwächter, die nach der Anzahl ausgestellter Strafzettel entlohnt wurden: Sofort setzte ein Wettrennen um die meisten ausgeteilten Knöllchen ein...).

Kapitel 4 ist der "Messbarkeitsillusion qualitativer Leistungen" gewidmet: Wiederum lockert Binswanger die (leicht verständlich dargebotenen) theoretischen Ausführungen durch praktische Beispiele auf (wie z.B. soll die Leistung eines Fußball-Feldspielers quantitativ bewertet werden?).

Im 5. Kapitel macht der Autor einen Seitenschritt zur interdisziplinären (ökonomisch-psychologischen) Motivationsforschung und setzt auseinander, dass intrinsische Motivation niemals durch extrinsische aufgewogen werden kann: Das Rezept von "Zuckerbrot und Peitsche" vermag niemals so antriebsfördernd zu wirken wie eigene Motiviertheit.

Mit dem 6. Kapitel beginnt Teil II des Buches: Die vorwiegend theoretischen Ausführungen werden nun mithilfe ausgewählter Themengebiete empirisch vertieft. Vor allem in der Wissenschaft und Forschung, der Schul- und Hochschulbildung und dem Gesundheitswesen macht Binswanger "sinnlose Wettbewerbe" aus, aber auch unternehmensinternen Effizienzwettbewerben und dem zertifikatsgläubigen Nachhaltigkeitsstreben attestiert er Sinnlosigkeit.

Dem wissenschaftlichen Wettbewerbsstreben (Stichworte: Ranking, Exzellenz, Citation Index, Peer Review) ist das 7. Kapitel gewidmet. Neben in der interessierten Öffentlichkeit mehr oder weniger bekannten Tatsachen wartet Binswanger als Insider mit einer ebenso klaren wie erschreckenden Analyse bezüglich des "Peer-Review"-Verfahrens in wissenschaftlichen Fachzeitschriften auf. Dieses Verfahren sorge dafür, dass strategisches Zitieren und Loben, das Beibehalten bekannter Theorien von fachinternen "Großmeistern" und eine Priorisierung der Form gegenüber dem Artikelinhalt gefördert werde. Welche stupiden Ergüsse die Folge sein können, zeigt Binswanger anhand einer ökonomischen Theorie über Prostitution, die zwei Wirtschaftswissenschaftlerinnen in einer führenden US-Fachzeitschrift publizierten.

Im 8. Kapitel behandelt Binswanger künstliche Wettbewerbe im Gesundheitswesen. Dabei macht er im Zusammenhang mit den Fallpauschalen für Krankenhäuser deutlich, dass hier lediglich ein perverses Anreizsystem (mit künstlichem Wettbewerb) ein anderes (ohne solchem) ersetzt hat: Im Gesundheitssystem ist die strukturelle Ausgestaltung ohne perverse Anreize für die Anbieterseite sehr oft eine politische Quadratur des Kreises.

Im abschließenden 9. Kapitel präsentiert der Autor in knapper Form seine Gegenvorschläge zu den analysierten, künstlich inszenierten Wettbewerben.

Binswangers theoretische und empirische Analyse des Problems ist gut zu lesen und nachzuvollziehen, auch für volkswirtschaftliche Laien. Um seine Argumentation zu stützen, zieht der Autor umfangreiche Literatur aus Ökonomie, Psychologie und Wissenschaftssoziologie heran. Man mag darüber streiten, ob zehn Seiten Literaturverzeichnis für ein Sachbuch zu viel sind. Der Rezensent ist jedoch der Ansicht, dass die solcherart gewonnene Fundierung der Darstellung gut tut und den Lesefluss nicht stört - wer nicht interessiert ist, kann die Hinweise im Fließtext einfach ignorieren.

So überzeugend die Kapitel 1-8 ausfallen, so schwach und enttäuschend mutet das 9. Kapitel an. Das "Sabbatical", das Binswangers Hochschule ihm zum Abfassen des Buches gewährt hatte, neigte sich während der Niederschrift des letzten Kapitels offenbar schon sehr dem Ende zu: Der ganze Abschnitt macht einen ziemlich hingeschluderten und wenig durchdachten Eindruck. (Nur am Rande sei erwähnt, dass dabei die für einen Ökonomen nicht untypische Politikferne zu konstatieren ist; der Autor lässt eine realistische Einschätzung missen, was politisch unter welchen Vorzeichen wie und von wem durchsetzbar sein könnte.) Ein Beispiel: Binswanger meint in Bezug auf den konstatierten "sinnlosen Wettbewerb" in der Wissenschaft: "So wusste man auch in früheren Jahrhunderten durchaus Bescheid, welche Universitäten exzellent waren. Harvard, Yale und Princeton wurden als Topuniversitäten erkannt, obwohl es überhaupt keine Kennzahlen gab, anhand derer man ein Universitätsranking hätte erstellen können. Der Ruf einer Universität hängt letztlich von der außerordentlichen Leistung einzelner Professoren oder Forschungsteams ab und nicht von der Menge an Publikationen und Projekten." (S. 220) Binswangers hier geäußerte Vorstellung, eine "außerordentliche Forschungsleistung" werde von der wissenschaftlichen Umwelt mehr oder weniger objektiv wahrgenommen, ist jedoch (bestenfalls) als höchst naiv zu klassifizieren. Sie ignoriert etwa die (dank des US-Soziologen Robert K. Merton längst bekannte) Tatsache des "Matthäus-Effekts" (auch) in der Wissenschaft:

"Der Matthäus-Effekt besteht darin, dass größere Anteile der Anerkennung für bestimmte wissenschaftliche Beiträge jenen beteiligten Wissenschaftlern zuerkannt werden, die bereits beträchtliches Renommee genießen. Gleichzeitig wird diese Anerkennung anderen partizipierenden Wissenschaftlern verwehrt, die sich noch nicht profiliert haben." (Robert K. Merton; Übers. d. Rezensenten)

Als zweites großes Negativum des Buches ist die mangelnde Sorgfalt im Formalen festzustellen. Der eine oder andere Druckfehler wäre zu verschmerzen. Aber wenn schon der professorale Verfasser nicht merkt, welche sprachlichen Böcke er mit "aufoktroyieren" (S. 140 u.ö.) oder "optimalerem Verhalten" (S. 195) schießt, so hätte dies zumindest einem aufmerksamen Lektor bzw. Korrektor auffallen müssen. Das Literaturverzeichnis ist höchst benutzerunfreundlich gestaltet und komplett linksbündig gehalten, ohne Einrückung für Titel über eine Zeile Länge. Trefflich dazu passt, dass manche Literaturhinweise aus dem Fließtext überhaupt fehlen (so sucht man den mehrmals erwähnten "Baethge 2008" vergebens).

Diese Kritikpunkte lassen es nicht zu, mehr als drei Sterne zu vergeben. Die Lektüre der Kapitel 1-8 kann der Rezensent gleichwohl als gut verständliche und anregende Analyse zum Themenbereich "Wettbewerb ohne Märkte" und "perverse ökonomische Anreizsysteme" empfehlen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Rolf Dobelli HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT
Überall rufen Politiker und Berater heute nach mehr Markt, mehr Privatisierung, mehr Effizienz. Mathias Binswanger, obwohl selbst Ökonom, macht da nicht mit. In seinem Buch geht er einem verbreiteten Phänomen unserer Zeit auf den Grund: Weil es in vielen Gesellschaftsbereichen keinen funktionierenden Markt gibt, wird ein künstlicher Wettbewerb ausgerufen. Doch solche Wettbewerbe sind im günstigsten Fall nur Zeitverschwendung, im schlimmsten Fall produzieren Menschen aufgrund perverser Anreize Unsinn: Wissenschaftler, die anhand von Publikationslisten beurteilt werden, schreiben Schmalspurartikel, Ärzte kümmern sich nicht mehr um die komplizierten Fälle, sondern stellen nur noch lukrative Nullachtfünfzehn-Diagnosen, Arbeitnehmer werden zum Sammeln von Diplomen und Urkunden animiert, die meist nicht das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt sind. Binswanger liefert eine gut lesbare Analyse des alltäglichen Effizienzwahns. Er prangert den zahlengläubigen Zeitgeist an und argumentiert, dass man Qualität schlicht und einfach nicht messen kann. Die Lösungsvorschläge allerdings bleiben ein wenig blass. Trotzdem empfiehlt getAbstract diesen Titel jedem, der die Ökonomisierung aller Lebensbereiche kritisch hinterfragen möchte, statt den Beraterheerscharen wie die Lemminge zu folgen.
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