Der heute kaum mehr bekannte Johann Joachim Ewald, ein Bekannter Kleists, war ein für die deutschen Verhältnisse des 18. Jahrhunderts ungemein sympathischer Dichter. Nicht nur, dass seine Gedichte meist recht kurz und klassisch geschult sind - sie wimmeln vor Namen der griechischen Mythologie, er verfügte auch über einen Humor, der bei seinen Zeitgenossen kaum zu finden ist. Sein Spott mag milde gewesen sein, aber er lässt weder Fürsten noch Pfaffen ungeschoren. Da verwundert es auch nicht, dass Ewald mit knapp über 30 seine Hofmeisterstelle beim Erbprinzen aufgibt und, schon gesundheitlich angeschlagen, nach Italien geht, wo er teils in geistiger Verwirrung die letzten Lebensmonate zubringt und schließlich spurlos versschwindet. Eine ungewöhnliche Biografie für einen ungewöhnlichen Dichter. Teils vom Barock beeinflusst, weisen seine humoristischen Ansätze schon über die Zeit hinaus:
"Der Prälat und die Haushälterin
Der Prälat:
Sie sind mir viel zu theur mein Engel, zur Haushälterin,
Zehn Thaler wöchentlich! ich laß mich nicht bethören!
Die Haushälterin:
Hochwürdger wissen sie, daß ich unfruchtbar bin?
Der Prälat:
Na! dieser Umstand läßt sich hören!"