Pressestimmen
"Peter Freund trifft mit seinen Büchern den Geschmack des jungen Publikums." (Der Tagesspiegel )
"Eine heiße Empfehlung für alle jungen Fantasy-Fans." (Westdeutsche Allgemeine Zeitung )
"Ein atemberaubend spannender Fantasyroman für junge Leser!" (buchaktuell )
"Eine heiße Empfehlung für alle jungen Fantasy-Fans." (Westdeutsche Allgemeine Zeitung )
"Ein atemberaubend spannender Fantasyroman für junge Leser!" (buchaktuell )
Kurzbeschreibung
Dunkle Wolken hängen über Mysteria, und das heraufziehende Unheil hinterlässt nun deutliche Spuren: Kaum haben Niko und das Alwenmädchen Ayani ihre lebensgefährlichen Abenteuer auf der Insel der Tränen und auf dem Schöpferberg überstanden, da ereilen sie gleich zwei Schicksalsschläge: Sâga, die Schwarzmagierin, tötet ihren treuesten Verbündeten Kieran. Und der gerade erst nach Mysteria zurückgekehrte König Nelwyn gerät in eine teuflische Falle des Tyrannen Rhogarr von Khelm. Niko und Ayani können nun nicht länger warten: Sie müssen den verzweifelten Kampf um Helmenkroon aufnehmen und sich den Mächten der Finsternis stellen. Als alles schon verloren scheint, hält die beiden nur eines aufrecht: Ihr sagenhaftes Schwert Sinkkâlion – so heißt es – wird über das Schicksal Mysterias entscheiden.
Über den Autor
Peter Freund ist seit 1980 in der Film- und Fernsehbranche tätig und lebt und arbeitet in Berlin. Schon seit Ende der 80er-Jahre hat er neben Drehbüchern für Filme und Serien immer wieder auch Romane und Geschichten geschrieben und veröffentlicht. Sein bisher größter Erfolg ist die »Laura Leander«-Reihe, die Kinder wie Erwachsene begeistert, die Bestsellerlisten stürmt, in neunzehn Sprachen übersetzt und in zweiundzwanzig Ländern weltweit veröffentlicht wurde.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Was?
'as?« Der Dorfvorsteher starrte Niko Niklas und Ayani an. »Unser König lebt?«
»So ist es, Seoras.« Ayani nickte ihm zu. Ihre Augen leuchteten. »König Nelwyn ist in dieser Nacht zu uns zurückgekehrt. Von nun an wird er unseren Kampf gegen Rhogarr von Khelm anführen. Wir werden uns endlich aus unserer Knechtschaft befreien können!«
»Mit Nelwyns Hilfe und natürlich auch mit dem Königsschwert Sinkkalion«, fuhr Niko Niklas fort. Er berührte kurz die schwere Waffe an seinem Gürtel. »Wir werden den Tyrannen vom Thron in Helmenkroon stürzen und die Marschmärker aus unserer Heimat verjagen. Damit alle Bewohner des Nivlandes endlich wieder in Frieden und Freiheit leben können! Allerdings Niko machte eine kleine Pause und sah Seoras eindringlich an. »Damit das gelingen kann, benötigt König Nelwyn die Unterstützung aller Alwen - egal ob Mann oder Frau, Junge oder Mädchen, Kind oder Greis!«
Seoras schwieg. Er zählte wohl kaum mehr als vierzig Sommer, auch wenn er fast schon wie ein alter Mann aussah - mit seinem vom Hunger abgezehrten Gesicht, den lange vor der Zeit ergrauten Haaren und den verschlissenen Kleidern, die eher Lumpen ähnelten als einem angemessenen Gewand. Mit unverhohlenem Misstrauen betrachtete er den Jungen und das Mädchen, die hoch zu Ross - der Junge auf einem Schimmel, das Mädchen auf einem Rappen - auf dem kleinen Platz in der Mitte des armseligen Alwendorfs verharrten. Die Siedlung bestand aus kaum mehr als einer Handvoll schäbiger Hütten, zwischen denen keine lebende Seele zu sehen war. Nur ein paar Hühner scharrten im warmen Sand vor den Gebäuden und in den Pferchen dahinter suhlte sich eine kleine Herde abgemagerter Schweine. Über ihnen drehten sich Schwärme von schwarzen Schwirrfliegen in der mittäglichen Hitze.
Ayani wechselte einen nachdenklichen Blick mit Niko, bevor sie sich wieder ihrem Landsmann zuwandte. »Was ist los, Seoras? Freust du dich gar nicht über die Neuigkeiten?«
Seoras zuckte mit den Schultern. »Nun _ äh _ das ist in der Tat eine erfreuliche Nachricht! Aber Der Dorfvorsteher wandte sich ab und blickte nach hinten. »Nuala! Aidan! Kailil - ihr könnt rauskommen«, rief er in Richtung der schäbigen Behausungen. »Von den beiden hier droht keine Gefahr. Sie scheinen nur etwas verwirrt zu sein.«
Sofort war Bewegung bei den Hütten zu erkennen. Die übrigen Bewohner der Siedlung traten hinaus auf den sandigen Dorfplatz, der vom hellen Glanz des Großen Taglichts überflutet wurde. Es waren knapp zwei Dutzend Alwen, überwiegend Kinder und Frauen. Die wenigen Männer hatten das Greisenalter bereits erreicht oder sahen zumindest so aus. Ihre Kleider waren ebenso verschlissen wie die des Dorfvorstehers. Ihre Gesichter und Gestalten verrieten, dass sie schon lange nicht mehr richtig satt geworden waren. Während Seoras ihnen die Neuigkeit in raschen Worten schilderte, sahen die Alwen ebenfalls mit misstrauischen Blicken zu Niko und Ayani auf.
Niko konnte ihren Mienen deutlich entnehmen, was in ihren Köpfen vorging: Die Nachricht vom schrecklichen Blutgericht, das Rhogarrs Schergen erst kürzlich in einigen Alwendörfern abgehalten hatten, war inzwischen mit Sicherheit auch in diese weit abgelegene Siedlung vorgedrungen. Zweifellos hatten auch die Bewohner dieses Dorfes verstanden, dass Rhogarr von Khelm fest entschlossen war, jedes Aufbegehren gegen seine Schreckensherrschaft mit größter Härte zu bestrafen - nämlich mit Tod und Vernichtung.
»Ich kann euch gut verstehen«, rief Niko den verängstigten Alwen deshalb zu. »Die Nachricht von der Rückkehr des Königs ist in der Tat so überraschend, dass sie im ersten Moment nur schwer zu fassen ist.«
Die Dorfbewohner steckten die Köpfe zusammen und tuschelten aufgeregt miteinander. Dann wandte sich Seoras wieder an die Besucher. »Was du sagst, ist wahr, mein Junge. Als wir vor vierzehn Sommern vom Tod unseres Königs hörten, wollten meine Leute und ich das zunächst nicht glauben. Doch nach all der langen Zeit und dem endlosen Leid, das wir seither unter der Knute der Eroberer erdulden mussten, haben wir uns damit abgefunden.«
»Nicht doch, Seoras!«, rief Ayani. »Wer sich in sein Schicksal fügt, wird es niemals ändern. Und wer gegen die Tyrannei nicht ankämpft, wird für immer in Unfreiheit leben.«
»Das sagt sich so leicht, mein Mädchen.« Der Dorfvorsteher lachte bitter. »Aber schau dich doch nur mal um! Rhogarrs Häscher haben alle arbeitsfähigen Männer unseres Dorfes verschleppt. Sie müssen Frondienste in seinen Steinbrüchen leisten, bis sie ihre letzten Kräfte verlieren und an Auszehrung sterben.«
»Genauso ist es, Seoras«, pflichtete ihm eine Frau mit strähnigem Haar bei. »Obwohl wir Übriggebliebenen von morgens bis abends schuften wie die Zugochsen, sind wir kaum in der Lage, uns von unserer Hände Arbeit zu ernähren. Zumal dieser Tyrann bei jeder guten Ernte die Steuern und Abgaben derart erhöht, dass uns davon nichts weiter als jämmerliche Reste und leere Teller übrig bleiben.«
»Und wer dagegen aufbegehrt«, setzte eine zahnlose Alte die Klage fort, »der kann froh sein, wenn er mit dem nackten Leben davonkommt.«
Niko und Ayani verständigten sich wortlos, zu schweigen. Zumal sie wussten, dass die braven Dorfbewohner nicht einen Deut übertrieben.
»Es hat sich sehr wohl das Gerücht zu uns herumgesprochen«, sagte Seoras, »dass ihr beide das Königsschwert aus dem Schicksalsstein gezogen hättet. Allerdings Er räusperte sich und deutete mit dem Kopf auf die Waffe an Nikos Gürtel, deren Griff ein stilisierter Falke war. »Bis vor wenigen Minuten hatte ich daran noch erhebliche Zweifel. Erst seit ich Sinkkalion mit eigenen Augen sehe, bin ich restlos überzeugt.« Er ließ seinen Blick rasch in die Runde der Dörfler schweifen. »Und erst wenn ich unserem König von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehe, werde ich glauben, dass er wieder zu uns zurückgekehrt ist.«
»Genau deswegen hat König Nelwyn uns doch zu euch geschickt«, antwortete Ayani. »Weil er eure Zweifel nicht nur vorausgesehen hat, sondern sie auch sehr gut versteht.«
»Aus diesem Grund«, fuhr Niko fort, »hat er beschlossen, in Kürze eine Versammlung aller Dorfvorsteher abzuhalten. Dann wird er sich ihnen persönlich zeigen und ihnen seine weiteren Pläne erläutern.«
»Ach ja?« Obwohl Seoras die Stirn runzelte, zeigte sich ein Hoffnungsschimmer auf seinem müden Gesicht. »Wann und wo wird das sein?«
»Nur Geduld«, antwortete Ayani lächelnd. »Wir müssen unter allen Umständen verhindern, dass unsere Feinde Wind von diesem Treffen bekommen und wir erneut in einen Hinterhalt geraten. Deshalb werden Ort und Zeit der Versammlung kurzfristig mitgeteilt. Halte dich also bereit, damit du dem Ruf deines Königs unverzüglich folgen kannst!«
Der Abschied von Seoras und seinen Leuten war weitaus herzlicher als der Empfang. Obwohl die Dörfler nicht gerade in Jubel ausbrachen, gewann Niko dennoch den Eindruck, als wäre in ihren gramverzerrten Gesichtern wieder so etwas wie Zuversicht zu sehen.
Seine Schwester war der gleichen Ansicht, wie sie ihm wortlos und nur durch die Kraft ihrer Gedanken zu verstehen gab. Unser Vater ist ein schlauer Fuchs, fügte sie hinzu, während sie auf dem Rücken ihrer Pferde Seite an Seite Richtung Dämonenwald davon- sprengten. Oder hättest du vorausgesehen, dass unsere Landsleute so misstrauisch sind?
Wahrscheinlich nicht, antwortete Niko seiner Schwester auf die gleiche Weise. Aber ich kann ihre Zweifel schon verstehen. Seit vierzehn Sommern hoffen sie vergeblich darauf, dass sie endlich aus der Fremdherrschaft erlöst werden. Und wenn Hoffnung allzu lange enttäuscht wird, macht sie unweigerlich der Resignation Platz.
Wie weise du doch bist, Bruder!, spottete Ayani. Sie wandte sich um und grinste ihren Bruder an. An dir ist ja ein Seher verloren gegangen.
Bevor Niko zu einer Erwiderung ansetzen konnte, verspürte er einen stechenden Schmerz im Kopf, und ein Bild des...
'as?« Der Dorfvorsteher starrte Niko Niklas und Ayani an. »Unser König lebt?«
»So ist es, Seoras.« Ayani nickte ihm zu. Ihre Augen leuchteten. »König Nelwyn ist in dieser Nacht zu uns zurückgekehrt. Von nun an wird er unseren Kampf gegen Rhogarr von Khelm anführen. Wir werden uns endlich aus unserer Knechtschaft befreien können!«
»Mit Nelwyns Hilfe und natürlich auch mit dem Königsschwert Sinkkalion«, fuhr Niko Niklas fort. Er berührte kurz die schwere Waffe an seinem Gürtel. »Wir werden den Tyrannen vom Thron in Helmenkroon stürzen und die Marschmärker aus unserer Heimat verjagen. Damit alle Bewohner des Nivlandes endlich wieder in Frieden und Freiheit leben können! Allerdings Niko machte eine kleine Pause und sah Seoras eindringlich an. »Damit das gelingen kann, benötigt König Nelwyn die Unterstützung aller Alwen - egal ob Mann oder Frau, Junge oder Mädchen, Kind oder Greis!«
Seoras schwieg. Er zählte wohl kaum mehr als vierzig Sommer, auch wenn er fast schon wie ein alter Mann aussah - mit seinem vom Hunger abgezehrten Gesicht, den lange vor der Zeit ergrauten Haaren und den verschlissenen Kleidern, die eher Lumpen ähnelten als einem angemessenen Gewand. Mit unverhohlenem Misstrauen betrachtete er den Jungen und das Mädchen, die hoch zu Ross - der Junge auf einem Schimmel, das Mädchen auf einem Rappen - auf dem kleinen Platz in der Mitte des armseligen Alwendorfs verharrten. Die Siedlung bestand aus kaum mehr als einer Handvoll schäbiger Hütten, zwischen denen keine lebende Seele zu sehen war. Nur ein paar Hühner scharrten im warmen Sand vor den Gebäuden und in den Pferchen dahinter suhlte sich eine kleine Herde abgemagerter Schweine. Über ihnen drehten sich Schwärme von schwarzen Schwirrfliegen in der mittäglichen Hitze.
Ayani wechselte einen nachdenklichen Blick mit Niko, bevor sie sich wieder ihrem Landsmann zuwandte. »Was ist los, Seoras? Freust du dich gar nicht über die Neuigkeiten?«
Seoras zuckte mit den Schultern. »Nun _ äh _ das ist in der Tat eine erfreuliche Nachricht! Aber Der Dorfvorsteher wandte sich ab und blickte nach hinten. »Nuala! Aidan! Kailil - ihr könnt rauskommen«, rief er in Richtung der schäbigen Behausungen. »Von den beiden hier droht keine Gefahr. Sie scheinen nur etwas verwirrt zu sein.«
Sofort war Bewegung bei den Hütten zu erkennen. Die übrigen Bewohner der Siedlung traten hinaus auf den sandigen Dorfplatz, der vom hellen Glanz des Großen Taglichts überflutet wurde. Es waren knapp zwei Dutzend Alwen, überwiegend Kinder und Frauen. Die wenigen Männer hatten das Greisenalter bereits erreicht oder sahen zumindest so aus. Ihre Kleider waren ebenso verschlissen wie die des Dorfvorstehers. Ihre Gesichter und Gestalten verrieten, dass sie schon lange nicht mehr richtig satt geworden waren. Während Seoras ihnen die Neuigkeit in raschen Worten schilderte, sahen die Alwen ebenfalls mit misstrauischen Blicken zu Niko und Ayani auf.
Niko konnte ihren Mienen deutlich entnehmen, was in ihren Köpfen vorging: Die Nachricht vom schrecklichen Blutgericht, das Rhogarrs Schergen erst kürzlich in einigen Alwendörfern abgehalten hatten, war inzwischen mit Sicherheit auch in diese weit abgelegene Siedlung vorgedrungen. Zweifellos hatten auch die Bewohner dieses Dorfes verstanden, dass Rhogarr von Khelm fest entschlossen war, jedes Aufbegehren gegen seine Schreckensherrschaft mit größter Härte zu bestrafen - nämlich mit Tod und Vernichtung.
»Ich kann euch gut verstehen«, rief Niko den verängstigten Alwen deshalb zu. »Die Nachricht von der Rückkehr des Königs ist in der Tat so überraschend, dass sie im ersten Moment nur schwer zu fassen ist.«
Die Dorfbewohner steckten die Köpfe zusammen und tuschelten aufgeregt miteinander. Dann wandte sich Seoras wieder an die Besucher. »Was du sagst, ist wahr, mein Junge. Als wir vor vierzehn Sommern vom Tod unseres Königs hörten, wollten meine Leute und ich das zunächst nicht glauben. Doch nach all der langen Zeit und dem endlosen Leid, das wir seither unter der Knute der Eroberer erdulden mussten, haben wir uns damit abgefunden.«
»Nicht doch, Seoras!«, rief Ayani. »Wer sich in sein Schicksal fügt, wird es niemals ändern. Und wer gegen die Tyrannei nicht ankämpft, wird für immer in Unfreiheit leben.«
»Das sagt sich so leicht, mein Mädchen.« Der Dorfvorsteher lachte bitter. »Aber schau dich doch nur mal um! Rhogarrs Häscher haben alle arbeitsfähigen Männer unseres Dorfes verschleppt. Sie müssen Frondienste in seinen Steinbrüchen leisten, bis sie ihre letzten Kräfte verlieren und an Auszehrung sterben.«
»Genauso ist es, Seoras«, pflichtete ihm eine Frau mit strähnigem Haar bei. »Obwohl wir Übriggebliebenen von morgens bis abends schuften wie die Zugochsen, sind wir kaum in der Lage, uns von unserer Hände Arbeit zu ernähren. Zumal dieser Tyrann bei jeder guten Ernte die Steuern und Abgaben derart erhöht, dass uns davon nichts weiter als jämmerliche Reste und leere Teller übrig bleiben.«
»Und wer dagegen aufbegehrt«, setzte eine zahnlose Alte die Klage fort, »der kann froh sein, wenn er mit dem nackten Leben davonkommt.«
Niko und Ayani verständigten sich wortlos, zu schweigen. Zumal sie wussten, dass die braven Dorfbewohner nicht einen Deut übertrieben.
»Es hat sich sehr wohl das Gerücht zu uns herumgesprochen«, sagte Seoras, »dass ihr beide das Königsschwert aus dem Schicksalsstein gezogen hättet. Allerdings Er räusperte sich und deutete mit dem Kopf auf die Waffe an Nikos Gürtel, deren Griff ein stilisierter Falke war. »Bis vor wenigen Minuten hatte ich daran noch erhebliche Zweifel. Erst seit ich Sinkkalion mit eigenen Augen sehe, bin ich restlos überzeugt.« Er ließ seinen Blick rasch in die Runde der Dörfler schweifen. »Und erst wenn ich unserem König von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehe, werde ich glauben, dass er wieder zu uns zurückgekehrt ist.«
»Genau deswegen hat König Nelwyn uns doch zu euch geschickt«, antwortete Ayani. »Weil er eure Zweifel nicht nur vorausgesehen hat, sondern sie auch sehr gut versteht.«
»Aus diesem Grund«, fuhr Niko fort, »hat er beschlossen, in Kürze eine Versammlung aller Dorfvorsteher abzuhalten. Dann wird er sich ihnen persönlich zeigen und ihnen seine weiteren Pläne erläutern.«
»Ach ja?« Obwohl Seoras die Stirn runzelte, zeigte sich ein Hoffnungsschimmer auf seinem müden Gesicht. »Wann und wo wird das sein?«
»Nur Geduld«, antwortete Ayani lächelnd. »Wir müssen unter allen Umständen verhindern, dass unsere Feinde Wind von diesem Treffen bekommen und wir erneut in einen Hinterhalt geraten. Deshalb werden Ort und Zeit der Versammlung kurzfristig mitgeteilt. Halte dich also bereit, damit du dem Ruf deines Königs unverzüglich folgen kannst!«
Der Abschied von Seoras und seinen Leuten war weitaus herzlicher als der Empfang. Obwohl die Dörfler nicht gerade in Jubel ausbrachen, gewann Niko dennoch den Eindruck, als wäre in ihren gramverzerrten Gesichtern wieder so etwas wie Zuversicht zu sehen.
Seine Schwester war der gleichen Ansicht, wie sie ihm wortlos und nur durch die Kraft ihrer Gedanken zu verstehen gab. Unser Vater ist ein schlauer Fuchs, fügte sie hinzu, während sie auf dem Rücken ihrer Pferde Seite an Seite Richtung Dämonenwald davon- sprengten. Oder hättest du vorausgesehen, dass unsere Landsleute so misstrauisch sind?
Wahrscheinlich nicht, antwortete Niko seiner Schwester auf die gleiche Weise. Aber ich kann ihre Zweifel schon verstehen. Seit vierzehn Sommern hoffen sie vergeblich darauf, dass sie endlich aus der Fremdherrschaft erlöst werden. Und wenn Hoffnung allzu lange enttäuscht wird, macht sie unweigerlich der Resignation Platz.
Wie weise du doch bist, Bruder!, spottete Ayani. Sie wandte sich um und grinste ihren Bruder an. An dir ist ja ein Seher verloren gegangen.
Bevor Niko zu einer Erwiderung ansetzen konnte, verspürte er einen stechenden Schmerz im Kopf, und ein Bild des...