Das bereits 1996 in Frankreich erschienenen Buch gehört zu den schwierigsten Büchern von Jean-Luc Nancy. Gerade der längste und titelgebende Essay des Bandes stellt den Leser vor unerhörte Schwierigkeiten, denn er verknüpft auf wenigen Seiten die Grundfragen abendländischer Philosophie mit zeitgenössischen Theorien des Seins, des Ursprungs und der Singularitäten. Es ist also für Anfänger nicht zu empfehlen. Auch für Leser, die das Werk und die mitunter vertrackte Terminologie von Nancy kaum kennen, ist der Band kein empfehlenswerter Einstieg.
Denn Nancy versucht hier eine Neudeutung des Heideggerschen Mit-Seins. Nancy bezeichnet die Ontologie, die er hier zu entfalten versucht als "materialistisch" und "politisch". In einem komplexen Gedankengang, der hier nicht nachgezeichnet werden kann, verknüpft Nancy geschickt Motive des politischen Denkens von Bataille, Marx, Hegel, Heidegger, Deleuze, Spinoza, Nietzsche, Derrida zu einer Theorie des singulär pluralen Seins. Der Traktat ist auch als eine Skizze zu Nancys Projekt einer Dekonstruktion des Christentums zu betrachten. Deutsche Leser werden das Projekt davon schon aus seinem Buch "La creation du monde ou la mondialisation" kennen. Ergänzt wird dieser Traktat durch weitere kurze Essays.
Interessant dürfte der Band für Leser sein, die sich mit der zeitgenössischen französischen Theorieproduktion auskennen oder aber sich gerade mit dem Konzept des Mitseins in Sein und Zeit beschäftigen. Oder sich für eine Theorie der Singularitäten interessieren, wie sie etwa in anderer Form auch bei Agamben, Deleuze/Guattari, Badiou vorliegt. Andere Leser werden wenig Vergnügen an diesem Band finden.