Als sich Tony Bennett am 12. und 16. Juli 1973 zu intensiven Aufnahme-Sessions mit kleinster Besetzung ins CBS Tonstudio begab, um 20 Klassiker von Richard Rodgers und Lorenz Hart einzuspielen, existierten von den damals schon meist über vierzig Jahre alten Songs wie "The lady is a tramp", "This can't be love", "My heart stood still", "Have you met Miss Jones?" oder "Isn't it romantic?" etc. jeweils einige hundert Aufnahmen. Das Songbook von Rodgers und Hart ist randvoll mit Standards, die jeder Freizeit-Sinatra aus dem Handgelenk parat haben muß. Auch das, diese häufige Interpretation bis hin zum letzten Hobby-Hinterhof-Jazzer, machte sie, neben ihrer musikalischen und textlichen Großartigkeit, zu Klassikern. Es trug aber auch dazu bei, daß einige der Lieder arg überstrapaziert wurden und auch schon 1973 eigentlich keiner weiteren Version bedurft hätten.
Brauchte die Welt also ein ganzes Album mit ausschließlich R&H-Songs nun auch noch von Tony Bennett um sich zufrieden weiterzudrehen? Nein!
Darum nahm Bennett auch 20 Stücke auf und machte gleich zwei Alben, notabene - an nur zwei Aufnahmetagen!, und hätte wegen meiner auch gern noch einen dritten Tag im Studio verbringen können und noch weitere zehn Stücke aus dem scheinbar unerschöpflichen Fundus der R&H-Songperlen herausfischen und aufnehmen können - zumal mit diesen begnadeten Musikern!
Dieses feine, dezente Quartett, bestehend aus Bass (John Giuffrida), Trompete (Ruby Braff) und zwei Gitarren ( George Barnes & Wayne Wright) und gänzlich ohne Schlagwerk (!), schuf wunderbar feinperlige Jazz-Arragements für diese Klassiker, die sie so unvergleich mehr zur Geltung kommen lassen, als die oft gehörten, dick aufgeblasen Orchester-Arragements, mit einem Tony Bennett, damals 47 Jahre alt, der seine Stimme leichtfüßig beherrscht und lässig, cool, mal gebrochen, dann neu erstrahlend in den sanft-lässigen Klang-Räumen hin und her schlendert und so (noch) mehr beeindruckt, als bei großen Aufnahmen mit 20köpfiger Big Band, die er mit seiner unverwechselbaren Stimme auch locker an die Wand singen kann.
Die 70er Jahre waren nicht die erfolgreichste Phase in Bennetts außergewöhnlicher Karriere, eher totales Gegenteil. Nach großen und größten Erfolgen in den 50er und 60er Jahren, spielte er, bis zu seinem triumphalen und bis heute anhaltenden Comeback & Stay seit Beginn der 90er Jahre, lange keine Rolle. So lagen diese wunderbaren Aufnahmen auch zunächst einige Jahre brach, bis er sie auf seinem eigenen Label Improv 1976 als "Tony Bennett sings 10 Rodgers & Hart songs" und 1977 "More great Rodgers & Hart" als zwei auf einander folgende LPs veröffentlichen konnte. Später gab es auch eine Ausgabe als Doppel-LP.
Die hier vorliegende CD in, für Concord Records üblichem, hervorragendem Remaster, vereint nicht nur beide Alben, sondern ergänzt sie um sechs interessante Alternativ Takes einiger der Album-Songs.
Höchste Wertung für eine Sternstunde des feinsten Jazz, für wahrlich wunderbare Aufnahmen!