"Laura
Is the face in the misty light
Footsteps that you hear down the hall,
The laugh that floats on a summer night,
That you can never quite
Recall.
And you see Laura
On the train that is passing through -
Those eyes, how familiar they seem.
She gave your very first kiss to you
That was Laura
But she's only a dream."
Mit dem Namen Johnny Mercer verbinde ich eigentlich nur zwei Dinge: Ich weiß, dass Johnny Mercers Grab auf dem Friedhof von Savannah, Atlanta liegt; und ich weiß, dass Johnny Mercer den Text des Titelstücks für einen Film namens Laura" geschrieben hat.
Ob ich den gesehen habe, weiß ich wiederum nicht. Womit klar wäre: Ich weiß nicht viel von Johnny Mercer. Ich empfinde das aber auch nicht als ein so quälendes Unwissen, dass ich Abhilfe schaffen müsste. Im Gegenteil: Ich glaube zum Beispiel, wenn ich den Film "Laura" sähe, wäre ich wahrscheinlich enttäuscht, denn ich würde ihn mit dem Film vergleichen, der vor meinem geistigen Auge abläuft, wenn ich den Song höre.
Dabei sollte das Stück ursprünglich einmal ein reines Instrumentalstück sein und auch bleiben, und der Text war, wenn ich das richtig in Erinnerung behalten habe, eigentlich nur eine nachträglich absolvierte Pflichtübung, damit man den Song bei den Juroren der Academy for Motion Picture Arts and Sciences einreichen konnte. Das scheint in Hollywood übliche Praxis gewesen zu sein: Henry Mancinis "Charade" war auch so ein Kandidat, den man erst im Nachhinein mit einem Text ausgestattet hat; und auch das Hauptthema von "High Noon - Zwölf Uhr mittags" sollte ursprünglich ohne Gesang auskommen (es heißt, Komponist Dimitri Tiomkin habe den lyrics" von Ned Washington auch nur sehr widerwillig zugestimmt).
Ella Fitzgerald muss mit dem Namen Johnny Mercer aber wohl eine ganze Menge mehr verbunden haben. Ihr "Johnny Mercer Songbook", 1964 veröffentlicht, ist der letzte Beitrag der von Ellas langjährigem Hausproduzenten" Norman Granz initiierten "Songbook"-Reihe auf Granz' Label "Verve", es ist das einzige, das nicht einem bestimmten Komponisten, sondern einem Texter gewidmet ist, und die Idee zu diesem speziellen Song Book stammte von der Sängerin persönlich.
"In some ways this collection is an odd salute", heißt es in für das Booklet der im Jahr 1997 veröffentlichten CD verfassten "Liner Notes". Eigentümlich findet der Verfasser es zum Beispiel, dass sich unter den Aufnahmen nur einige wenige besser bekannte Standards finden und dass es sich überdies bei einem großen Teil der Stücke um solche handele, die von ihrer Natur her eher Instrumental - denn Vokalstücke seien. Deren Melodien klängen eher so, als seien sie "von Soli aus der großen Zeit des Swing inspiriert, als dass sie sich für den Gesang eigneten", schreibt der Autor weiter. Tatsächlich findet sich auf der CD nur wenig, was mir dauerhaft ins Ohr ginge. Vielmehr sind mir meist schon in dem Moment, in dem ich die CD ins Regal zurückstelle, die Titel von zwölfen der 13 Stücke auf der CD entfallen: Mir bleibt, mit schöner Regelmäßigkeit, wirklich nur "Laura" im Gedächtnis haften.
Womit ich keinesfalls sagen möchte, dass der Rest der CD schlecht wäre. Ganz oben auf dem Cover und ganz vornan steht schließlich der Name Ella Fitzgerald - und den verbinde ich mit Aufnahmen, die eigentlich immer hörenswert sind, denn Ella Fitzgeralds Stimme adelt, finde ich, jedes Material.
Auch für mich nimmt also das Johnny Mercer Song Book" einen Sonderstatus ein. Es ist beileibe nicht das erste Song Book, zu dessen Erwerb ich Ella-Fans raten würde, und Zeitgenossen, die erst noch Ella-Fans werden möchten, würde ich schon gar nicht dazu raten (oder vielleicht doch? Mit Ella kann man eigentlich nicht viel verkehrt machen, und sich ein Album von ihr, zumal eines von "Verve", zuzulegen, kann eigentlich nie ein Fehler sein). Ella Fitzgeralds Gesang ist toll wie immer, aber das "Johnny Mercer Song Book" ist vielleicht wirklich eher eines für Zeitgenossen, die an "lyrics" im Allgemeinen und an denen von Johnny Mercer im Besonderen interessiert sind - oder die ein Faible für das Orchester Nelson Riddle haben, von dem Ms. Ella Fitzgerald auf den vorliegenden Aufnahmen begleitet sind.
An der Qualität der Stereo-Aufnahmen ist, wie es beim Label "Verve" so oft der Fall ist, kaum etwas beanstanden.
Für die Reihe der "Master Edition", in der die Aufnahmen auf CD veröffentlicht wurden, hat man den Klang "peinlich genau restauriert", bevor man einen "high-resolution digital transfer" vorgenommen hat (Eigenwerbung). Wer genau hinhört, dem wird zwar nicht entgehen, dass das Master-Tonband an einer bestimmten Stelle des fünften Stücks "This Time the Dream's on me" etwas flattert - einen Moment lang klingt das so, als sei Bandsalat zu befürchten - , aber das ist ein Schönheitsfehler, den man getrost als Quantité négligeable verbuchen kann.
R e s ü m e e
Unterm Strich gibt's von mir großes Lob für das "Johnny Mercer Song Book". Unter den Song Books von Ella Fitzgerald ist es mir zwar nicht das liebste, aber schlecht ist es deswegen natürlich noch lange nicht. Die schmucke, nett gestaltete Digipack-Hülle unterstützt den positiven Gesamteindruck, abgerundet wird die Veröffentlichung durch ein nicht minder hübsches, zehnseitiges Booklet, das alte wie neue Liner Notes bietet. Mit anderen Worten: diese CD ist ihr Geld wert; wer weniger als zehn Euro dafür bezahlt, darf sich über ein nettes kleines Schnäppchen freuen.