Die aufziehende Revolution ist dem Loyalisten John Singleton Copley unheimlich. Der bedeutendste Maler der amerikanischen Kolonien stiehlt sich fort und versucht seine Karriere als Maler der besseren Gesellschaft in London fortzusetzen. Frau und Kinder bleiben erst einmal in Boston. Aber der erste in den Kolonien zu sein, bedeutet nicht, dass man der erste in London sein wird, an Portraitmalern gibt es in London nun wirklich keinen Mangel. Und auch das Feld der Historienmalerei ist längst besetzt: Copleys amerikanischer Kollege Benjamin West ist Hofmaler und Freund des Königs. Er wird zwar mit einigen Historienbildern reüssieren ("Watson and the Shark", "The Death of the Earl Chatham" oder "The Death of Major Peirson"), aber den grössten Erfolg hat er mit seinen Portraits. Die sich leider dem englischen Publikumsgeschmack anpassen und nichts mehr von der Frische seiner amerikanischen Portraits haben (es gibt Ausnahmen wie das bezaubernde Portrait der aristokratischen Göre, des "Midshipman Augustus Brine"). Copley in England ist die tragische Geschichte eines brillanten Malers, der mit der englischen Gesellschaft nicht zurecht kommt, von jemandem, der sich selbst im Wege steht. Der malerisch aber jederzeit mit Reynolds und Gainsborough mithalten könnte (wenn er nicht so langsam malen würde), die er auch manchmal imititiert ("Mrs. Daniel Denison Rogers"). Aber wo ist die Brillanz des "Knaben mit dem Eichhörnchen" geblieben? "Copley in England" ist ein exzellenter Katalog, aber man sollte ihn, um den ganzen Copley zu verstehen, zusammen mit dem Katalog "Copley in America" lesen.