"A Single Man" stellt für mich einen Glücksfall dar. Der Designer Tom Ford erfüllt sich einen lang gehegten Traum. Er schreibt ein Drehbuch nach dem Roman von Christopher Isherwood, den er vor vielen Jahren las und seit damals nicht vergessen konnte und dreht den Film. Er lässt sich weder durch die Finanzkrise die seine Geldgeber abspringen lässt noch durch "gute Ratschläge" von Freunden entmutigen und hält an seinem Vorhaben fest. Finanziert seinen Erstlingsfilm selbst, wartet so lange, bis Colin Firth Zeit hat die Hauptrolle zu übernehmen. Die Dreharbeiten dauern nur 21 Tage und die Prognosen der Fachwelt sind eher skeptisch. Klingt alles nicht sehr erfolgsversprechend. Ja und was passiert dann?? Tom Ford schafft mit seinem Erstlingsfilm ein wahres Meisterwerk. Ein Juwel. Getragen vom Hauptdarsteller Colin Firth, der endlich beweisen kann, welch ein herausragender Schauspieler er ist. Für ihn gilt der Satz von Glorian Swanson, dem Stummfilmstar in Billy Wilders berühmten Film "Sunset Boulevard": we didn't need lines, we had faces! (Wir brauchten keinen Text, wir hatten Gesichter).
Colin Firth in der Rolle des trauernden Prof. Falconer, der seinen langjährigen Partner, gespielt von Matthew Goode (Match Point, Brideshead) bei einem Autounfall verlor und beschließt seinem Leben ein Ende zu bereiten, weil er den Verlust seines langjährigen Partners nicht ertragen kann - das ist Schauspielkunst auf höchstem Niveau. Die Szene in der er am Telefon die Todesnachricht erhält und ganz nebenbei erfährt, dass er bei der Beerdigung nicht erwünscht sei, nur für "Familienmitglieder" - mit das Berührendste was seit langem auf einer Kinoleinwand zu sehen war. Der Coppa Volpi in Venedig als bester Darsteller, Oscar- und Golden Globe-Nominierung, sowie der Gewinn des BAFTA, des britischen Oscar, waren hochverdient.
Dieser Mann, der praktisch nur von seiner akkuraten Bekleidung, die wie eine Art von Rüstung wirkt, die ihm Halt gibt, und sein ebenso penibel gepflegtes Haus am Leben gehalten wird, plant seinen Tod wie er auch lebte. Mit äußerster Sorgfalt und Zurückhaltung. Einzig seiner alten Freundin Charlie gegenüber, wunderbar dargestellt von Julianne Moore, zeigt er Gefühle und geht aus sich heraus. Aber es bleiben nur kurze Episoden des Glücks. Obwohl es sich bei den Protagonisten um ein homosexuelles Paar handelt, spielt das eigentlich eine Nebenrolle. Es geht um den Verlust eines geliebten Menschen, ob Mann oder Frau, ist dabei völlig nebensächlich.
Als eine Art Schutzengel erscheint da sein Student Kenny,(Nicholas Hoult, der Junge aus "About a Boy") der seinem Professor folgt und wohl instinktiv fühlt, was dieser von ihm bewunderte Mann plant. Wunderbar dabei zuzusehen, wie Prof. Falconer durch Kennys entwaffnende Art, seine Anhänglichkeit und herzerfrischende Naivität langsam wieder Lebensmut schöpft.
Mehr sollte man nicht verraten, für all diejenigen, die den Film im Kino versäumt haben. Die adäquate wundervolle Filmmusik, die wie bei Tom Ford nicht verwunderlich, unglaublich geschmackvollen Kostüme und Ausstattung, das Ambiente vom Feinsten, runden die Meisterleistung der Schauspieler adäquat ab. Tom Ford zeigt in seinem ersten Film als Regisseur welch großes Talent in ihm steckt. Er gehört für mich jetzt schon zu den Besten seines Fachs.
Als Fazit: einer der schönsten Filme des Jahres. Colin Firth als Idealbesetzung, ohne den dieser Film nicht denkbar wäre und Tom Ford, der mit traumwandlerischer Sicherheit und Geschmack dieses Meisterwerk schuf. Dazu der Tipp: man sollte sich nach Möglichkeit nur die Originalfassung ansehen. Die Stimme von Colin Firth ist einfach umwerfend. Dafür 5 Sterne!!