Zugegeben, etwas überspitzt mag sie sein, meine Überschrift.
Die Stimme als "luftbetriebenes Instrument" mit Flugzeugen in Verbindung zu bringen, scheint nicht so weit hergeholt. Den Bernoulli-Effekt mit Singen, speziell noch besonders gesundem, aber schon, wie mir scheint.
Ich habe nicht Phoniatrie studiert, jedoch scheint die einzige Quelle dieser hier vermittelten, im Buchtitel angekündigten Weisheit der Autor selbst zu sein. War es also nur eine Idee des Autors, die, ohne im Labor überprüft zu werden, einfach mal in ein Buch gepackt und als Tatsache gehandelt wird?
Wenn dem so ist, dann darf auch jeder Hanswurst gegenargumentieren, und da melde ich mich jetzt freiwillig.
Der Bernoulli-Effekt ist eben der, dass beim Entlanggleiten von Luft an einem Gebilde wie zB. einer Flugzeugtragfläche, welche ein so gewölbtes Profil hat, dass die Luft auf der einen Seite einen längeren Weg hat als auf der anderen, durch die entstehenden Druckunterschiede den Auftrieb hervorruft.
Wichtig hier: die Luft gleitet _entlang_ dieser Flächen, mit dem Profil "mitgehend".
Stimmbänder sind hingegen eher wie zwei Messerklingen, dessen Kanten aufeinander zeigen. Selbst wenn sie also so ein Tragflächenprofil hätten, würde dies keinen B.-Effekt hervorrufen, da die Luft kaum entlang, sondern mehr in Richtung auf die Flächen zu, drückt.
(ein eventuelles solches Profil auf den aufeinander zeigenden Kanten wäre gänzlich uninteressant, da die andere Seite einer Stimmlippe nicht frei in der Luft schwebt, wie eine Tragfläche, sondern in weiteres Gewebe mündet)
Phonation ist mE. völlig ohne den B.-Effekt erklärbar.
Einen zum Singen nötigen konstanten ausgeatmeten Luftstrom vorrausgesetzt, baut sich hinter den geschlossenen Stimmbändern ein Druck auf, welcher diese, sobald hoch genug, auseinanderdrückt. Dadurch kann Luft entweichen - sicher, durch die leichte Schrägstellung der Stimmlippen fließt die Luft auch ein bisschen "entlang" der Flächen, aber nicht nennenswert. Und wenn es einen Bernoulli-Effekt in Richtung zum Schließen der Stimmbänder gäbe, müsste dieser dann nicht, sobald auch nur ein bisschen Luft herausströmt, die Stimmbänder ruckartig _zusammenreissen_ ? Wie soll denn so eine saubere Phonation entstehen, auch noch auf "beliebig" einstellbaren Tonhöhen?
Was die Stimmlippen wieder in die Ausgangslage zurückholt, ist kein Bernoulli-Effekt, sondern die Spannkraft der Stimmlippen selbst, dadurch dass der Druck dahinter wegen der entweichenden Luft allmählich wieder abfällt und zunehmend zu klein wird, um die Stimmlippen auseinanderzudrücken. Daraufhin baut sich der Druck von neuem auf. Und das Spiel geht von vorn los.
So entstehen, wie gesagt den konstanten Atemstrom vorrausgesetzt, gleichmäßige periodische Schwingungen.
Wie auch dem Autor bekannt ist, lässt sich die Spannkraft durch Muskeln steuern, eine höhere Spannung hat zur Folge, dass die Stimmlippen in kürzerer Zeit wieder zurückschnellen, womit die Frequenz der periodischen Schwingung, also der gesungene Ton, höher wird.
Soetwas wie ein Bernoulli-Effekt schiene mir hier eher Unregelmäßigkeiten auszulösen, gar ein Zuasammenknallen der Stimmbänder statt dem gerade eben Zurückführen in die Ruhelage - wie das zu gesundem Singen beitragen soll, will mir nicht ganz einleuchten.
Die mir bekannten Bücher dieses Autors enthalten generell viele nützliche Hinweise, und meine Bewertung wäre wohl nicht ganz so niedrig ausgefallen, wenn nicht diese scheinbar unbelegte Behauptung des Wirkens eines Bernoulli-Effekts beim Singen zum Buchtitel und "Aufhänger" gemacht worden wäre.