"Fricsay schöpft aus dem Werk die reine Ursprünglichkeit von Beethovens Vision. Fischer-Dieskau läßt den Hörer die Magie des Augenblicks spüren, wenn seine Stimme im Presto das Reich der Musik betritt."
"Saint-Saens' Orgel bereitet den Boden für das Dies-Irae Motiv, das sich als süße Streichermelodie zu ekstatischen Höhen aufschwingt und im Finale zwischen Bläserfanfaren seine volle Wucht entfaltet."
"In elektrisierender Monumentalität verbindet Bernstein den weichen Klang der Jupiter-Sinf. mit funkensprühender Phrasierung. Die langsamen Tempi bringen die ausdrucksstarken Nuancen voll zur Geltung."
"Mit der Überzeugungskraft auftrumpfender Hornklänge läßt Karajan das in einem Motiv verschlüsselte Monogramm Schostakowitschs über das aggressiv düstere Stalin-Scherzo triumphieren."
"In seinem persönlichsten Werk beschwört Mahler eine Konfrontation mit dem Schicksal herauf, die in einem düsteren Finale durch drei Hammerschläge einen tragischen Ausklang findet."
"Die Sinfonie in C komponierte Strawinsky in seinem tragischsten Jahr (Mutter/Frau/Tochter starben an Tuberkolose). Dennoch strotzt sie in den Binnensätzen vor pastoraler Unschuld und urbaner Dekadenz."
"Previn und das LSO spielen die Partitur von Rachmaninovs Zweiter in ihrer vollständigen Form. In präzisen Feinheiten führt die Aufnahme Momente emotionaler Wärme zu orgiastischen Intensitäten."
"Kleibers Einspielung von Brahms' Vierter glüht vor Leidenschaft und besitzt dabei aufmerksame Liebe zum Detail. Das tragische Passacaglia-Finale stürzt wie eine Naturgewalt auf den Hörer herab."
"Berio begehrt gegen den Vietnam-Krieg und die Segregation auf und vermengt seine orchestrierten Gefühle mit denkwürdigen Textfragmenten von Claude Levi-Strauss und Samuel Beckett."
"Intensiv, dramatisch und schmerzlich schön zeichnet Mahler in der "Auferstehung" ein Bild des tiefgreifenden Übergangs vom Tod zur Hoffnung. Solitär ist die Verbindung von Orchester- und Vokalmusik."
"Die Sinfonie über den Maler Grünewald, der seinen religiösen Herren die Stirn bietet, machte Hindemith zur Persona non grata im Dritten Reich. Abbado füllt das Werk opulent mit expressiver Tonsprache."
"Dvoraks Achte glänzt durch Formexperimente und surreale Lyrik. Dennoch hat sie ein sonniges Gemüt mit überraschenden Tiefen. Kubelik interpretiert mit viel Sinn für die dramatischen Stimmungswechsel."
"Die Eröffnungsfanfare des unheilvollen ersten Satzes steht für das Fatum, das wie ein Damoklesschwert über dem Kopf schwebt und die Seele vergiftet. Die Vierte ist Tschaikowskys "Autobiografische"."
"Mit seinem untrüglichen Gespür für Linien erweist sich Boult als Meister der "Großen" Sinfonie von Schubert und verleiht so dem Werk magische Schwungkraft und unvergleichliche Spontanität."
"Weniger dramatisch als seine Erste, besticht Sibelius' Zweite durch ein sonnendurchflutetes mediterranes Klangkolorit. Ein Großteil der Zweiten wurde während eines Aufenthalts in Italien verfasst."
"Nielsens Zweite entstand nach den vier Temperamenten eines vierteiligen Gemäldes: cholerisch, sanguinisch, melancholisch, phlegmatisch. Seine Klangfarben schuf er stets mit viel Sinn für Stilistik."
"Jochum läßt in Haydns "Die Uhr" (Sinfonie Nr.101) das Orchester vor Lebensfreude schäumen. Das Andante-Tempo ist perfekt bemessen und seine Melodie verströmt genüßliche Unbeschwertheit."
"Messiaens mittleres sinfonisches Gemälde der Tristan-Triptychon ist ein exotisches Energiebündel in zehn Sätzen mit unbändiger Lebensfreude, stolzen Melodien und Gamelan-ähnlichen Klängen."
"In unwiderstehlichem Überschwang reflektiert Mendelssohns Vierte die Kultur und Landschaft Italiens und findet in traditionellen Tänzen und Pilgerliedern eine eindrucksvolle Inspirationsquelle."
"In den 35 Takten der Coda ist Bruckners Erschütterung über Wagners Tod zu hören. Die lange und erhabene Melodielinie, die in zwei großen Wellen aufsteigt, ist eine der schönsten Eröffnungen überhaupt."
"Pierre Monteux geht sehr bedacht vor, was bei der Anzahl der Tempowechsel auch nötig ist. Dennoch bringt er in seiner Interpretation Cesar Francks Sinfonie charaktervoll zum Glänzen."
"In Sawallischs Aufnahme von Schumanns Vierter verbinden sich Phrasen zu langen Bögen, die so die Erzählstruktur herausstellen. Die Randsätze drängen aufgeregt nach vorn, ohne die Lyrik zu übergehen."
"Honeggers Zweite reflektiert seine Ängste vor dem Krieg. Aufblitzende Hoffnungsschimmer entpuppen sich in bedrückender Dunkelheit zunächst als Illusion. In der Conclusio siegt dennoch die Hoffnung."
"Die Vierte von Williams beschreitet neue Wege der Musiksprache und bringt seine geballte Wut zum Ausdruck. Bedrohliche Dissonanzen wechseln sich mit warmer Lyrik ab."
"Die "Fantastique" porträtiert Berlioz im Banne seiner Traumfrau, der Bühnendarstellerin Harriet Smithson. Dementsprechend interpretiert Münch mit kraftvollem Feuer und obsessiver Leidenschaft."
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