Der Vorteil dieser Sammlung liegt bei der Betonung der Einheitlichkeit von Mahlers Gesamtwerk. Es ist, als würde kein Unterschied vorliegen zwischen die Symphonien und die Lieder ' Text und Musik sind untrennbar vereint. Mehr problematisch sind Bernstein's ungleichmässige und oft übertriebene Interpretationen. Die Solisten sind fantastisch, aber er peitscht sie manchmal bis zum Wahnwitzigkeit. In "das Lied von der Erde" '(komischerweise von zwei männliche Stimmen getragen)' muss der arme Fischer-Dieskau so rasant durch einige Passagen stolpern, dass er sich wie ein verirrter Dr. Bartolo kaum über den wie eine ins Panik geratene Menagerie hervorgetriebene Orchester mehr hörbar machen kann. Ähnlich verhält es sich mit der achte Symphonie (im 1975 aufgenommen, also lang vor die übrigen Symphonien in den Box); Bernstein, die Orchester, die Chöre und die Solisten laufen wie eine Jagdpartei durch den ersten Satz, verlangsamen sich danach atemholend im zweiten Satz, bis man fast ein Bisschen abgestumpft den Schlusschor erwartet. Der Finale von der Zweiten Symphonie ist etwas theatralisch aufgelegt, aber passt damit gut zusammen mit das stark romantische Werk als solches. Die dritte Symphonie ist vom Orchester hervorragend interpretiert, aber wird vom Kinderchor im fünften Satz kaputtgemacht. Die singen nicht, die schreien einfach.
Insgesamt bleiben die rein orchestrale Symphonien 1, 5, 6, 7 und 9 die Höhepunkte von dieser Sammlung, obwohl der siebte Symphonie mit einen völlig absurden Crescendo in die Posaune endet (andererseits verkürzt Bernstein auch der etwas Tschaikowski-ähnliche Schluss im ersten). Die "Knaben Wunderhorn-", "Rückert-" und "Kindertotenlieder" sind alle wunderbar interpretiert; Thomas Hampson bleibt natürlich unvergleichlich, so auch meine persönliche Favorit Lucia Popp, und Andreas Schmidt gewinnt aus der Wunderhorn-Texte eine herrliche, lustige und zugleich derbe Stimmung. Doch diese Aufnahmen sind auch separat erhältlich, und deshalb scheint der Zweckmässigkeit von der Box etwas fragwürdig. Es ist sicherlich ein "Muss" für Bernstein-fans; aber von seine starke Persönlichkeit geht der Welt von Gustav Mahler etwas zerrissen aus dem Kampf.
Das hier ist eine Übersetzung von meine ursprüngliche Rezension für Amazon.com; für grammatische Fehler bitte ich um Verzeihung, da Deutsch nicht meine Muttersprache ist.