Mit knapp sechs Jahren habe ich meine erste Beethoven-Symphonie gehört: die 5. mit Karajan. Seidem höre ich Beethoven öfter und intensiver als jeden anderen Komponisten. Von den Symphonien habe ich mehr als zwei Dutzend Aufnahmen - und doch: Irgendwie hat mich nie eine so richtig glücklich gemacht. Noch nie habe ich vorbehaltlos gedacht: Ja, so soll es sein. Super!
Entweder Beethoven klingt pathetisch und heroisch (Karajan und Co.) oder er klingt hektisch und schlicht unmusikalisch (wie bei Zinman). Letzterer, Zinman, behauptet, sich eng an die Autographen und Beethovens Absichten zu halten, schafft es aber noch nicht einmal, sein Orchester mit geteilten Violinen spielen zu lassen. Wem schon das zu viel Arbeit ist und die Musik so ihrer antiphonalen Effekte beraubt, wer Beethoven mit einer um die Mitte des 20. Jahrhunderts erfundenen (amerikanischen) Sitzordnung spielen lässt, der kann nun wirklich nicht in Anspruch nehmen, Beethoven auf der Spur zu sein.
Zurück zu Vänskä und seinem Orchester. Hier stimmt alles! Wer die 5. je so unaufgeregt und in sich einfach stimmig gehört hat wie hier, der kann sein Geld fürderhin für andere große Symphoniker ausgeben. Wer den dritten Satz der 4. je so rustikal-tänzerisch, witzig gehört hat, der braucht keine andere Aufnahme mehr!
Die Musik atmet hier geradezu. Sie pulsiert rhythmisch, die Dynamik ist atemberaubend und die Präzision ist schlicht umwerfend. Hier wird nicht geschwelgt und auch nicht gehetzt - hier wird im besten Sinne des Wortes musiziert!
Diese Aufnahmen machen schlicht glücklich. Nach über zwanzig Aufnahmen brauche ich nun keine mehr. Jetzt heißt es auf die nächsten Ausgaben dieses finnisch-amerikanischen Zyklus zu warten.