das schumann-jahr bringt doch noch sinfonische überraschungen:
nicht völlig unerhörtes oder willkürliches wie eingriffe ins komponierte
von mahler bis szell - wg. der sog. komplexen stimmdichte und der
mangelnden luzidität der harmonien schumanns, jedoch als 'verbindlich'
längst toleriert;
auch nicht authentisch orientiertes spiel von neueren interpreten, die
nunmehr durch ein verschlanktes orchester einen sportiven schumann bieten,
der dann bei seinem jugendlich romantischen furor doch etwas kurzatmig klingt.
aber michael gielen, der mittlerweile altersweise, wennauch hellwache und
intelligente sachverwalter der sog. schönberg-schule, ein längst renommierter
klassiker der moderne bzw. selbst ein klassiker moderner interpretation,
geht den schwärmerischen schumann ganz schlicht und 'sachlich' an:
er lässt schumanns div. stimm(ung)en vertikal luzide ausbalanciert auch
motivisch wörtlich zu wort kommen.
nichts wird romantisch-dräuend und wie gestaut-verschwitzt a la thielemann
pastos al fresco 'aufgefüllt', sondern alles klingt frisch aufgelichtet:
die hörner eröffnen schlank und verhalten das vorspiel im motiv-gewebe zum
rhythmus-sprung ins hauptthema des ersten satzes.
das scherzo ist einmal kein par-force-ritt über die hürden praktischer
unzulänglichkeiten von geigenbögen, der meist kaum durchhörbar ist,
sondern ein tänzerisches miteinander der tonfloskeln.
und der arg gefühlig-gefährdete 'adagio-espressivo'-satz dieser zweiten sinfonie
kommt kontrapunktisch durchgezeichnet als spiel von streichern und bläsern,
die sich das schwärmerische thema als stimmen zu gegenstimmen einander zuspielen.
auch die konventionellere dritte sinfonie, die populäre 'rheinische', erfährt durch
gielen eine frappierende durchhörbarkeit der verwobenen thematik: 'nicht schnell'
heisst ja auch nicht, wie häufig, langsam und im 'feierlich' bezeichneten vierten satz
erhebt sich bei gielen keine 'cathédrale engloutie'.
und weil insgesamt das 'timing' in sich stimmig ist und auch ein 'lebhaft' nicht
einfach als allegro molto vivace abgespielt wird, kann diese hännsler-produktion
mit dem swr-sinfonieorchester erfreulicherweise nur empfohlen werden.