An sich bin ich kein Freund von Karajan, denn zu sehr versagen seine Interpretationen vieler Komponisten (besonders Beethoven, Mahler, Brahms). Die Einspielungen der Bruckner-Symphonien sind ihm allerdings allesamt sehr gut gelungen. Fehlt ihm etwa bei Beethoven die Emotionalität und spielt er dort die Musik in den Hintergrund hinter einem gleichförmigen Schönklang, so ist es gerade diese fehlende Bereitschaft, sich den Emotionen hinzugeben, die Bruckners teilweise überbordenden Überschwang erträglich klingen lassen. Werden Bruckners Tutti anderswo zu einem bombastischen Gedröhne, so nimmt Karajan genau so viel von der Musik zurück, dass stets ein differenzierter Klang bestehen bleibt, der beeindruckt, ohne den Hörer zu überfahren. Dabei kann er die romantischeren Momente durchaus beschwingt und nuanciert ausleben, ohne wie viele andere Dirigenten in Sentimentalität zu sülzen. Die 9. und die 4. Symphonie sind besonders gut gelungen, aber auch die 2. und die 5. können überzeugen. Bruckners Nullte (sic) Symphonie fehlt leider in dieser Ausgabe. Insgesamt eine überzeugende Einspielung, deutlich über Karajans Durchschnittsleistung.