Jean Sibelius (1865 - 1957): Sinfonie Nr. 4 a-moll, Op. 63. Sinfonie Nr. 5 Es-Dur, Op. 83. Ausführende: Isländisches Sinfonie-Orchester, Ltg. Petri Sakari. Aufgenommen im November 1997 (Sinfonie Nr. 4) und Februar 1998 (Sinfonie Nr. 5) im Konzertsaal, Reykjavik, Island. Erstveröffentlichung 2000 als Naxos 8.554377. Gesamtspieldauer 69'19".
Kritiker David Hurwitz hat in einer Besprechung dieser CD seinen Finger auf den wunden Punkt gelegt: Der Aufnahmepegel ist zu niedrig, die Musik klingt bei normaler Lautstärke diffus. Erst wenn man den Lautstärkedrehknopf kräftig nach rechts dreht, entsteht so etwas wie Fokus. Dann hört man, dass Petri Sakaris Deutung dieser sehr bekannten, aber m. E. recht schwer zu begreifenden Sinfonien eine achtbare ist: Eindeutig ist jedenfalls, dass er die Werke als Ganze begreift und dass er seine isländischen Musiker, denen möglicherweise ein wenig Schliff fehlt, zu einer faszinierenden, die Aufmerksamkeit des Hörers stets heischenden Darstellung zu inspirieren vermag. Die vierte Sinfonie, 1911 uraufgeführt, gilt generell als Beispiel für nordischen Schwermut, oft wird sie als "Landschaftsmalerei" im eiskalten Finnland aufgefasst. Beim wiederholten Hören habe ich mich allerdings gefragt, ob Sibelius um diese Zeit vielleicht schon das Grauen des bevorstehenden Ersten Weltkriegs geahnt hat. Jedenfalls ist seine Orchestrierung - Celli, Blechbläser - durchaus in der Lage, die bedrohliche Seite menschlichen Lebens lebendig werden zu lassen.
Bei der fünften Sinfonie - Sakari hat sich für die endgültige Version aus dem Jahr 1919 entschieden - ist es neben der Orchestrierung das Tempo, das mich wie gebannt vor den Lautsprechern hielt: Es steigert sich ständig, und die Streicher-Pizzicati erzeugen zusammen mit dem Trompeten-Thema nicht nur eine "heroische" Stimmung, wie die Naxos-Anmerkung betont, sondern auch Nervosität, vielleicht sogar Bangigkeit. Ich jedenfalls fühlte mich jedes Mal bisher, nachdem ich mir dieses Werk angehört habe, zwar angesprochen, aber auch ein wenig perplex. Das ist großartige Musik, die sich erst allmählich bei wiederholtem Hören erschließt. Auch hier gilt: Die Aufführung ist durchaus genießbar, der Klang nur bedingt.