Es ist kein Wunder, dass man Anton Bruckners Symphonien immer wieder mit gotischen Kathedralen vergleich hat. Da hört sich jeder Ton wie ein lichtdurchflutetes Kirchenschiff an, wie ein Wechselspiel von Licht und Schatten, sodass Bruckners Symphonien immer über sich hinaus ins Unendliche verweisen. Besonders gilt dies für die 3 letzen Symphonien Bruckners, die 7., die 8. und die unvollendete 9. Speziell die 8. Symphonie ist es, die in die Ewigkeit deutet und es ist besonders die Aufnahme mit Herbert von Karajan und den Wiener Philharmonikern, die hier als beispielhaft anzusehen ist. Das liegt zum einen am fulminanten Spiel des Wiener Spitzenorchesters, das sich hier geradezu selbst überbietet und eine seiner besten Aufnahmen überhaupt vorlegt. Da gelingen die mysteriösen Passagen mit absoluter klanglicher Delikatesse (z. B. zu Beginn des ersten Satzes), weich mit herrlich detaillierter Phrasierung, aber auch der wuchtige Beginn des Finales reißt mit. Hier wird satt musiziert, bisweilen intensiv bis an die Schmerzgrenze, ohne dass das Ganze brachial oder forciert wirken würde. Glanzpunkt dieser Deutung ist jedoch das schlicht entrückte und entrückende Adagio. Hier in den Klangnebeln und hymnischen Aufschwüngen, die vor dem inneren Auge verschneite Gebirge heraufbeschwören, leistet dieses Orchester unter der Leitung Karajans das Maximum, entlockt diesem gloriosen Satz aber auch alles, was er an Gehalt zu bieten hat. Es wird mehr als deutlich, dass Karajans Kunst besonders in seinen letzten Einspielungen darin lag, zwischen Diesseits und Jenseits zu vermitteln, also genau dass zu erreichen, was Bruckner als Aufgabe seiner Kunst sah. Der Hörer erlebt eine vollkommen vergeistige, aber dennoch alles andere als blutleere Deutung dieser Monumentalsymphonie, die zum Besten gehört was Orchester und Dirigent je gemeinsam erarbeitet haben. Fazit: absolut kaufenswert!