Norringtons Bruckner-Interpretationen sind mittlerweile berühmt-berüchtigt: zügig, betont unsakral und unmonumental. Während andere Dirigenten mit ihren Einspielungen bewusst das Scheitern aller Bewältigungsversuche dieser Musik gegenüber dokumentieren, spielt Norrington die Sinfonien mit einer Lässigkeit weg als wären sie von Haydn.
Die Neunte ist keine Ausnahme. Modern klingt Bruckner hier durch die hohe Transparenz, die oftmals wenig beachtete Nebenstimmen deutlich hervortreten lässt. Im ersten Satz verblüffen insbesondere die hellen Blechbläser durch ungewohnte Präsenz. Die Bässe hingegen grundieren das Geschehen lediglich dezent bis kaum hörbar, was der Sinfonie viel von ihrer sonst üblichen Schwere nimmt.
Das Adagio wird in gut 18 Minuten abgewickelt: vielleicht selbst für Freunde Norringtons eine Spur zu schnell. Das vibratolose Spiel der Stuttgarter wirkt dabei entschärft: Lang gehaltene Noten schwellen dynamisch an und ab, wodurch sie Kontur gewinnen und weniger kühl und glatt klingen.
Das Orchester spielt makellos, der Klang ist exzellent. Wer offen ist für neue Perspektiven, darf bedenkenlos zugreifen.