Neugrierig geworden durch viele Rezensionen, auch hier durch Phillip Ochman's Kritik habe ich mir diese Interpretation von Mahlers 9. Sinfonie letztlich gekauft.
Über sehr weite Strecken ist es wohl die bestechendste, und was vor allem den letzten Satz betrifft, die intensivste Interpretation Mahlers Neunter die ich kenne. Selbst für Bernstein Verhältnisse, ist die Interpretation von solcher glühender Intensität, dass sie stellenweise erschüttert.
Das Wechselbad zwischen Hoffnung, Tragik, Leben und Tod wird hier in Vollendung dargeboten. Man höre sich nur die Übergänge im letzten Satz zwischen den ruhigen, -dem "Jetztsein" entrückten- Stellen zu den heftigen Streichereinsätze an. Das wird mit solcher Wucht gespielt, dass ich beim ersten Hören richtig erschrocken bin (ich dachte jeden Moment, jetzt reißen die Saiten der Streicherbögen). Auch Bernsteins körperlicher Einsatz ist hörbar (poldern auf dem Dirgentenpodest, Ausrufe, Seufzer etc.).
Leider gibt es einen legendären Faux-pas im Höhepunkt des Adagios, die Posaunen versagen komplett den Dienst. Dies ist wirklich sehr, sehr schade, und verwundert gewaltig bei einem derartigen Spitzenorchester.
Dennoch, bleibt es die packendste Einspielung. Chapeau Bernstein!
Welche Interpretationen sind noch zu empfehlen:
Bernsteins frühe Einspielung mit den New Yorkern (1965), sehr stringent und wunderbare Aufnahme, Bernstein's Einspielung mit dem Concertgebouw Orchesta 1987 ist wohl die Einspielung mit der besten Orchesterleistung, der berühmte Höhepunkt im Adagio ist so gewaltig, da bleibt einem die Spucke weg!
Bruno Walter's Einspielung in den dreißigern, sehr gut, aber leider etwas zu schnell.