Wer glaubt, den ersten Satz zu kennen, der lasse sich von dieser Aufnahme eines Besseren belehren! Celibidache leuchtet die inneren Strukturen, die harmonischen wie thematischen Zusammenhänge dieser Musik aus, wie keiner vor ihm. Genial, wie bereits die Einleitung in A atmosphärisch alles Nachfolgende antizipiert. Genial auch, wie der vom punktierten Rhythmus geprägte Satz dann nie schroff, gar hart klingt, sondern immer nur ... Musik ist. Musikalisch logisch werden hier die eher lyrischen und gegensätzlich martialischen Themen dieses Satzes in ein kohärentes Ganzes integriert. So, und nicht anders muss es meines Erachtens klingen. Das Molto vivace (d-Moll) ist der vielleicht kontroverseste Satz. Doch beim oberflächlichen Verdikt ("zu langsam") darf man nicht stehenbleiben. Es ist, als ob dieses Scherzo sich rückwärts- wie vorwärtstastend in die Stimmungen des Eingangssatzes sowie der nachfolgenden Sätze einfühlt. Wer ein lärmend-zackiges Scherzo erwartet wird enttäuscht; wer die Musik erleben will, wird erstklassig bedient. Der dritte Satz, das Adagio molto e cantabile schwebt, unschuldig, wahrhaftig. Die nacheinander einsetzenden Instrumente: Pure Klangmagie. Ein Satz, wie geschaffen für diesen feinfühligsten aller Dirigenten. Der vierte Satz (Presto; Allegro assai; Andante maestoso; Allegro energico, sempre ben marcato; Allegro ma non tanto; Prestissimo) gerät unter Celibidache's Leitung zu einem differenzierten Klangwunder; selten wurde das Freudenthema so echt und tief empfunden, von Sängern wie Orchester. Besonders der vierte Teil des Finalsatzes, als Doppelfuge ausgearbeitet, dürfte auch die "Mathematiker" unter den Klassikhörern vollends überzeugen.
Daher die Bitte an Liebhaber dieser Symphonie: Unvoreingenommen anhören, diese Aufnahme vereint tiefste Emotion und Wahrhaftigkeit mit Durchhörbarkeit und steter logischer Stringenz.