Unter den Symphonien Bruckners nimmt die siebte ganz sicher eine Sonderstellung ein. Sie gilt gemeinhin als das beliebteste und meistaufgeführte Werk des als eher schwierig empfundenen Meisters. Dieser Tatsache ist auch zu verdanken, dass es bereits unzählige Einspielungen aus den letzten Jahrzehnten gibt, die teilweise echten Referenzcharakter besitzen. Nun wagt sich mit Nicolaus Harnoncourt ein Dirigent an das Werk heran, der vor allem für historische Aufführungspraktiken und alte Musik berühmt ist. Harnoncourt geht das Werk nicht emotional wie ein Celibidache an, sondern gibt sich betont sachlich und nüchtern. Diese analytische Art des Dirigenten hat sicherlich vor- und Nachteile. Die großen Ausbrüche im ersten und letzten Satz kommen bei Harnoncourt recht zögerlich, er verliert nie die Kontrolle über die Emotionen. Anders als z.B. Karajan lässt er seine Wiener Philharmoniker mit sehr schlankem Ton spielen. Feinsäuberlich durchleuchtet Harnoncourt die Partitur. Seine insgesamt eher gelassene Tempowahl kommt dem Dirigenten vor allem im zweiten Satz zugute, wo er zwar nicht so expressiv wie andere zu Werke geht, aber einfach wunderschön musiziert.
Insgesamt stehe ich dieser Aufnahme etwas gespalten gegenüber, einerseits macht Harnoncourt durch seinen Sinn für Analyse Stimmen und Melodien hörbar, die andere Dirigenten einfach überspielten, auf der anderen Seite ist der Mangel an Emotionalität bei Bruckner doch ein großer Makel. Als Referenzeinspielung kommt diese Aufnahme nicht in Frage, als interessante Ergänzung zu den großen Brucknerinterpreten jedoch allemal, zumal die Klangqualität durchwegs hervorragend ist.