Daß Herbert von Karajan einer der bedeutendsten Bruckner-Dirigenten seiner Zeit war, wird noch nicht einmal von seinen größten Widersachern ernsthaft in Frage gestellt, obwohl man auch hier immer wieder versucht hat, an Details seiner Auslegungen herumzumäkeln.
Feststeht, daß Karajan die riesigen Strukturen der Bruckner'schen Werke grandios beherrschte, er hatte den langen Atem für ihre ausgedehnten Themen mit ihren gewaltigen Höhepunkten und ihrem erneuten Durchdringen des schier unerschöpflichen Themenmaterials.
Im April 1989, nur wenige Wochen vor seinem Tod, spielte er im Großen Saal des Wiener Musikvereins mit den Wiener Philharmonikern noch einmal Bruckners 7. Symphonie ein, die er bereits in den 1970er Jahren zweimal (EMI und DGG) mit den Berliner Philharmonikern glanzvoll und überzeugend in die Rillen gebannt hatte.
Dies hier ist nun Karajans letztes Wort zu diesem gewaltigen Werk und gleichzeitig sein musikalisches Testament, seine definitiv letzte Plattenaufnahme. Wer aber nun vermuten würde, daß sich dies in weihevoller Abgeklärtheit vollziehen würde, der sieht sich gewaltig getäuscht. Obwohl man seiner Lesart den lebenslangen Umgang mit dieser Musik in jedem Takt anmerkt, so ist von inbrünstiger Versunkenheit keine Spur zu entdecken. Im Gegenteil: Karajans letzte "Siebente" gibt sich kraftvoll, voller Leben und gelassen. Nichts klingt pathetisch oder gar schleppend, wunderbar fließend läßt der Dirigent Bruckners Musik an uns vorbeiziehen.
Vereinfachend könnte man sagen, daß Karajan das gewaltige Werk schwerelos und ohne jedes Weihepathos interpretiert. Der letzte Satz mit seiner federnden Rhythmik erklingt in fast heiterer Beschwingtheit und krönt eine Auslegung, die zu den besten gehört, die ich bis heute kennengelernt habe.
Ein würdiger, glanzvoller Abschluß einer einzigartigen Künstlerkarriere, wie er schöner gar nicht hätte ausfallen können. Die überragende digitale Technik der DGG macht die Aufnahme auch klanglich zu einem unvergeßlichen Hörerlebnis. Zudem liegt ein repräsentatives Textheft bei. Wer Karajan verehrt und Bruckners Musik liebt, kommt an dieser CD nicht vorbei.