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Sinfonie 6
 
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Sinfonie 6

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Produktinformation

  • Komponist: Gustav Mahler
  • Audio CD (17. März 1995)
  • SPARS-Code: DDD
  • Anzahl Disks/Tonträger: 1
  • Label: Deutsche Grammophon Production (Universal)
  • ASIN: B000001GOZ
  • Weitere verfügbare Ausgaben: MP3-Download
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 10.651 in Musik (Siehe Top 100 in Musik)

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Anhören  3. Symphony No.6 in A minor - 3. Andante moderato14:47EUR 2,40
Anhören  4. Symphony No.6 in A minor - 4. Finale (Allegro moderato)29:10EUR 4,80


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SINFONIE 6

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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Kühe im Musikverein 26. Dezember 2006
Format:Audio CD
Der Rezensent lernte Mahlers Sechste seinerzeit anhand einer Solti-Aufnahme kennen, die ihn mit grimmig gehetzten Tempi und einem gepressten Klang reichlich verstört zurückließ. Musikphilosophische Auslassungen (etwa von Adorno) beruhigten ihn, dieser Eindruck sei völlig in Ordnung, schließlich handele es sich ja hier um Vorahnungen privater und kollektiver Katastrophen...

Boulez zeigt uns dieses gewichtige Werk aus einer etwas anderen Perspektive. Schon die markigen Anfangstakte des ersten Satzes kommen richtig vital-gesund daher, könnten durchaus einem Werbespot für Nordic Walking unterlegt werden. Gefeiert wird das kraftvoll energisch fortschreitende individuelle Leben, das sich mit dem Weltgeist eins weiß, unterstützt von einer liebenden Frau. Freilich lässt das Alma-Thema in seiner etwas verkrampften Begeisterung die Maßlosigkeit des Schlusssatzes schon erahnen.

Die Fortschritte der Aufnahmetechnik kommen dieser Sinfonie sehr zugute. So kann vieles, was früher spröde und hart klang, nunmehr geradezu genossen werden, natürlich auch dank der Spielkultur der Wiener Philharmoniker. In der Mitte des Satzes wird der Hörer allerdings geschockt: Leibhaftige Kühe scheinen durch den Musikvereinssaal zu schlendern... Sollte die Herdenidylle nicht von weitem, also hinter der Bühne, erklingen?

Für den zweiten Satz hat Boulez den wunderbaren Einfall, das Grundtempo erheblich schneller als im ersten Satz zu wählen. Damit wird die störende Ähnlichkeit zum unmittelbar vorhergehenden Satz beseitigt und der Scherzocharakter unterstrichen. Die klangliche Polyphonie kommt in diesem Satz besonders gut heraus.

Das Andante wird sehr zügig genommen. Nicht immer ist der Puls gleichermaßen deutlich zu hören. Gelegentlich stellt sich so etwas wie Kurzatmigkeit ein, doch gibt es auch wunderbar zart ausgehörte Stellen wie bei 7:00. Am Schluss meint man sich in die Welt von Debussy's Panflöte versetzt, so impressionistisch klingt das Orchester.

Meisterhaft ist das riesige Finale in seinen Proportionen gestaltet. Herrlich, wie zurückhaltend das Hauptthema eingeführt wird und wie die Perioden ahnungsvoller Besinnung mit denen übersteigerter Verblendung abwechseln! Und überall wird klangschön musiziert, denn erst ganz am Schluss soll die Tragik zum Vorschein kommen, das Zusammenfallen aller Illusionen, die Gewissheit des Todes. Der düstere Schlusspunkt widerlegt keineswegs das Lebensvolle, das ihm vorausging. Das ist die Erkenntnis, die der Rezensent aus dieser außergewöhnlichen Aufnahme gewonnen hat.
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ohren auf und durch! 8. November 2002
Format:Audio CD
Einfach grandios, was Boulez und die Wiener Philharmoniker hier abliefern! Vom "huitième merveille du monde" - vom 8. Weltwunder also - wurde im Zusammenhang mit dieser Einspielung gesprochen. Nun, ganz so weit möchte ich nicht gehen, aber angesichts dieser überragenden Aufnahme kann ich die Begeisterung der Schweizer Kollegen durchaus nachvollziehen. Alles, was Mahlers "Sechste" zu dem macht, was sie ist - ein Koloss, ein Blech gepanzerter Aufschrei, ein verbissenes Ringen mit eigenen, tief empfundenen Aggressionen, eine hämmernde Mahnung an die Welt - haben Pierre Boulez und "seine" Wiener in einem rund 79-minütigen Klanggemälde exemplarisch festgehalten. Schon die ersten Takte des einleitenden Brachialmarsches zeigen: Hier hat jemand komponiert, der mit seinem Publikum keine albernen Kompromisse eingeht. Lautstärke und Gewaltigkeit sind angesagt. Wer einmal live bei einer Aufführung dieses Werkes zugegen war, wird schon allein von den räumlichen Ausmaßen des Riesenorchesters erschlagen, ganz zu schweigen von den mitunter erreichten Dezibel-Werten ... Also: Mahlers "Sechste" ist nichts für Schlaffis. Wer lieber Bach'schen Inventionen lauscht, wem sechs Trompeten und acht Hörner grundsätzlich verdächtig sind oder wer Angst vor aufgetürmten Dissonanzen hat, braucht hier gar nicht erst anzutreten - auf Wiedersehen! Für alle anderen gilt: Kaufen, einlegen und das Wort "Zimmerlautstärke" für etwa 80 Minuten aus dem eigenen Wortschatz streichen! Bei allem berechtigten Lob muss jedoch eine kleine Kritik in Richtung Tontechnik erlaubt sein: Vorhin war von "hämmernder Mahnung" die Rede. Warum hört man eigentlich - trotz 4D-Technik - so gut wie nichts von den niederschmetternden Hammerschlägen im Finale? - Egal, Ohren auf und durch!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
"Die Tragische" 25. September 2010
Von Mrs. Peel
Format:Audio CD
"Der Held, der drei Schicksalsschläge bekommt, von denen ihn der dritte fällt, wie ein Baum.", beschreibt Mahler das Scheitern des sinfonischen Helden im finalen Satz der 6. Sinfonie (1904). Es ist Mahlers persönlicher, schicksalhafter Niedergang, der auf prophetische Art und Weise (wie auch schon in den Kindertotenliedern) in einer Konfrontation mit dem Fatum musikalisch von ihm antizipiert wird. Denn auch ihm wird das Schicksal drei Hammerschläge (die Demission an der Wiener Hofoper, der Tod seiner Tochter und sein unheilbares Herzleiden) verpassen, wovon der letzte ihn endgültig niederstreckt. So schildert Mahler im unheilschwangeren Ende des dritten Satzes, dem zarten, aber hoffnungslosen Andante, das Spielen zweier kleiner Mädchen, die torkelnd durch den Sand laufen. Ihre Stimmen werden immer tragischer, bis eine der beiden Stimmchen nur noch wimmert und schließlich verlöscht. Es ist die ältere seiner beiden Töchter, Mahlers Liebling Maria, die 1907 mit 5 Jahren zum Opfer eines Scharlach und der Diphtherie wird. Ihren Tod hat er nie verwunden. Zu dem Landsitz am Wörthersee, dem Ort des Unglücks, wird er nie mehr zurückkehren. Auch wenn dieser mystische Kontext zwischen Mahlers Biographie und seinem Werk zeitlebens von Alma Mahler kolportiert wurde und daher mit besonderer Vorsicht zu genießen ist, bietet diese Sechste dennoch Raum für Spekulationen, weil Mahler seine Muse hier zum Gravitationszentrum der Musik erklärt.

Die Sechste ist eine dämonische Sinfonie, die in ihrer hoffnungslosen Düsternis mit verhängnisvoller Unerbittlichkeit ein furchterregendes Bild zeichnet. Im sonatenförmigen Kopfsatz entfaltet sie im allegro energico eine unglaubliche Wucht, die in rhythmischen Pauken und choralartigen Holzbläsern das Schicksal mit progressivem Impetus in einem sich überstürzenden Marsch unaufhaltsam vorantreibt. Grelle Streicher schneiden mit apostrophierten Bogenstrichen ins Klangbild. Das Schicksalsmotiv wird sich wie ein roter Faden durch die Sinfonie ziehen, obwohl der sinfonische Held scheinbar in den zahlreichen aufhellenden Nebenpfaden zunächst vom drohenden Ungemach weggeführt wird. So wird im Kopfsatz die Düsternis von dem lichten Alma-Motiv verdrängt, das Alma Mahler in schwungvollen Violinenklängen in F-Dur als eine rettende Emanation porträtiert. Das Alma-Thema behält vorerst siegreich die Oberhand, sodass der erste Satz in seiner Conclusio im Dur ausklingt. In versteckter und abgewandelter Form schimmert jedoch das Unheil in seiner zwangsläufigen Unabwendbarkeit immer wieder durch und ermächtigt sich mehr und mehr des Protagonisten. Wie ein dunkler Schatten, der das Licht förmlich in sich absorbiert und verschlingt. Im finalen Satz exponiert sich das Menetekel des Schicksals mit aller Macht und zerschmettert das vorübergehende Glück vom Schluss des ersten Satzes durch die drei Hammerschläge, wovon der letzte in gestrichener Form erfolgt.

Musikalisch ist die 6. Sinfonie reich an Kontrasten. Mal anmutige, mal schwermütige Harmonien wechseln sich mit unaufhaltsam vorpreschenden Rhythmen ab. Lichte Dur-Motive im fortissimo werden gleitend in die tragischen Moll-Akkorde eingewoben (die Trompeten im Kopfsatz) und reißen den sinfonischen Helden zwischen Leben und Tod hin und her. Wunderbar wird mit dem typisch Mahler'schen Klangeffekt der Raum in intensiven laut-leise Dynamiken akustisch abgebildet und die Musik der Weltferne zelebriert. So ertönen in mehreren Sätzen Herdenglocken, die jedoch nicht als musikalisches Kolorit eingesetzt werden, sondern die Abgeschiedenheit und Einsamkeit auf einem Berggipfel symbolisieren und das weite Panorama der Landschaft beschreiben. Ganz dezent zieht sich die Orchestrierung hinter den Glocken zurück, sodass die Herde scheinbar immer näher kommt. Ein derartiger Effekt ist auch am Schluss des grimmigen Scherzos hörbar. Leise verschwinden hier die Kontrafagotte und Pauken ganz allmählich im Nichts. Durch die Ebenmäßigkeit der Struktur, die semantische Verknüpfung der Motive über die einzelnen Sätze hinaus und die tragische Stimmung ist die Sechste dennoch Mahlers strengstes Werk.

Mahlers Sechste ist auch für klassikfremde Hörer leicht zugänglich. Nicht nur weil sie sehr mitreißend, ausdrucksstark und fesselnd ist. Sondern auch weil Mahler immer bewusst mit einfachen Melodien arbeitete, die mit einer immensen Orchestrierung umgesetzt werden. Sehr kantabel fällt das tänzerische Alma-Motiv aus und das herzhafte Scherzo endet in einer volkstümlichen Streichermelodie. Hier lag seinerzeit der Ansatzpunkt für viele Kritiker, die monierten, dass die Schlichtheit der Melodien insbesondere bei Mahlers 5. Sinfonie dem Werk dessen immanente Monumentalität entziehen. Selbst in den von tiefsten Gefühlen inspirierten Stellen treten bei Mahler stets banale Melodien in Erscheinung. Düsternis und tiefe Tragik wechseln sich immer mit leichter Unterhaltung ab. Das ist ein Umstand, der wie so viele Aspekte in Mahlers Schaffen, seiner Biografie geschuldet ist. Gegenüber Freud erwähnte er eine Begebenheit, bei der sich seine Eltern einst heftig stritten. Der verängstigte Mahler rannte aus dem Haus auf die Strasse, wo aus einem Leierkasten kontrapunktisch "Ach du lieber Augustin" dudelte. Dieser Moment blieb für immer in seinem Kopf verhaftet und beeinflusste stark seine Kompositionen. In einigen Schriften setzte sich Mahler später auch mit dem Einfluss des Volksliedes auf Motive der klassischen Musik auseinander.

Mahler-Kenner Pierre Boulez inszeniert mit den Wiener Philharmonikern wunderbar das Gefühl zwischen Leben und Tod. In einem stetigen An- und Abschwellen der Spannung werden die Leiden des sinfonischen Helden lebendig gemacht. Die Aufnahme erfolgte qualitativ hochwertig. Im Booklet ist zudem ein sehr informativer seitenlanger Essay mit vielen interessanten Hintergründen zu Mahlers Werk abgedruckt.
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