Dass Sir Roger Norrington und sein Radio-Sinfonieorchester Stuttgart für überzeugende, ja überragende Einspielungen romantischer Sinfonik gut sind, haben sie für mich schon bei Mendelssohns Sinfonien 3 & 4 (
Symphonien Nr. 3+4), Tschaikowskijs Pathétique (
Parsifal Symphon. Auszüge/Symph. Nr. 6 Pathetique) und Elgars Erster Sinfonie (
Sinfonie 1) bewiesen. Die Aufnahme der Fünften Sinfonie von Tschaikowskij ist nun gleichfalls außerordentlich gelungen. Durch weitgehenden Verzicht auf Vibrato in den Streichern bei gleichzeitig extremer dynamischer Bandbreite mit fantastischen Steigerungen, punktgenauen Akzenten, durch enorm flexible Tempi wird eine Spannung aufgebaut, die ihresgleichen sucht und tatsächlich zu einem neuen Höreindruck führt. Die Stuttgarter sind wieder in allen Gruppen vorzüglich disponiert, man höre nur das ziemlich heikle, exponierte Thema des zweiten Satzes im Horn, die glänzend präzisen Holzbläsereinwürfe im zweiten oder dritten Satz, wirklich ein ganz hervorragender homogener Klangkörper, von dessen Qualitäten man sich auch in der virtuos-anspruchsvollen Zugabe, der Nussknacker-Suite, überzeugen kann. Die von Norrington hörbar angestrebte Transparenz wird ideal unterstützt durch eine superbe Aufnahmetechnik. Einzelne Publikumsgeräusche - es handelt sich wieder um Live-Aufnahmen - stören mich da überhaupt nicht. Das Booklet enthält einen informativen Einführungstext zu den Werken. Alles in allem eine vorzügliche Bereicherung für meine Plattensammlung, die sich für mich neben meiner persönlichen Referenz (Leningrader Philharmonie, Mrawinskij, 1960) gleichwertig behaupten wird.