Beginnen wir mit den Schwachpunkten:
- Im ersten Satz wird die Luftpause nach der Oboen-/Fagott-Passage ignoriert.
- Im vierten Satz singt die Solistin die wiederkehrenden Passagen am Ende einer Strophe ("Sankt Peter im Himmel sieht zu") in einem soliden Forte, wo eigentlich Pianissimo gefordert ist.
Das ist im Prinzip auch schon alles, und im Gesamtbild fallen diese Mängel praktisch nicht ins Gewicht. Was das Gürzenich-Orchester unter Markus Stenz hier vollbringt, ist schwer beeindruckend und verdient höchste Anerkennung. Da wäre der erste Satz, der im Grundton fröhlich und lustig interpretiert wird, wobei auch die Brüche und ironischen Momente sehr gut getroffen werden. Den zweiten Satz nimmt Stenz recht zügig, was der Musik eine besondere hämische Note verleiht. Mit knapp 20 Minuten erscheint mir der dritte Satz weder zu schnell noch zu langsam; die Musik fließt auf natürliche Weise und atmet Leideschaft. Der Finalsatz besitzt hier den Charakter eines Schlusskommentars; die Solistin meistert den Spagat zwischen kindlichem Tonfall (ohne Parodie) und souveräner Intonation und Artikulation mit Bravour. Wie eingangs angemerkt, wirkt der Gesang stellenweise etwas laut; andererseits entsteht dadurch ein toller Kontrast zur geheimnisvollen, verträumten Schlussstrophe -- für meinen Geschmack ein gelungenes Ende der Sinfonie.
Das fabelhafte Zusammenspiel des Orchesters und die fantastische Aufnahmetechnik runden eine Interpretation ab, die sich vor der namhaften Konkurrenz keinesfalls zu verstecken braucht. Man darf neugierig und gespannt sein auf die weiteren Mahleraufnahmen dieser Musiker!