Die CD-Einspielungen der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Simon Rattle bestechen vor allem durch ein Element: Transparenz.
Da sei manche Kritik natürlich berechtigt, übergroße Transparenz zerstöre Gesamtbild und Dramaturgie.
Um diesen Vorwurf muss man sich meines Erachtens nach jedoch gerade bei den Berlinern und Rattle keinerlei Gedanken machen. Hier agiert eine technisch und vor allem musikalisch überaus starke Truppe, die ein breit gefächertes Spektrum von Haydn bis Ades authentisch abdecken kann, somit auch Anton Bruckner.
Das Zusammenspiel der Orchestergruppen, bei Bruckner sollte man wohl eher von Registern sprechen, untereinander sowie in Aktion und Reaktion auf ihren künstlerischen Leiter zeugt von großer Dynamik, Spiel- und Musizierfreude. Das verleiht der 4. Sinfonie, von der es unüberschaubar viele Einspielungen gibt, eben auch in der gefühlt Tausendsten Aufnahme Frische und Lebendigkeit. So viele Aufnahmen setzen auf Wucht, Gewalt und erschlagende Großräumigkeit. Diese ist bei Bruckner auch voll und ganz berechtigt, allerdings zeichnet sich gerade dieser Komponist auch durch seine Meisterschaft in Kontrapunktik, Stimmführung und Kontrastioerung aus. Diese Facetten gehen leider in so vielen Einspielungen im Tumult des Großklanges unter, in der hier vorliegenden jedoch nicht.
Und das ist mehr als gut so!
Sowohl die Aufnahmetechnik (überragend) als auch die filigrane Herangehensweise Rattles an die Partitur der Spätfassung Bruckners vierter Sinfonie verbietet es dem Hörer geradezu, auch nur eine der Orchesterstimmen zu überhören, zu verpassen. Diese Aufnahme führt den Hörer also möglichst nahe an die Partitur heran, man kann sie mit dieser CD problemlos verfolgen, kann musikalische und kompositorische Gedanken Bruckners erstaunlich gut nachvollziehen und diese Sinfonie zu einem gewissen Grad sogar neu entdecken, möchte ich behaupten.
Ich persönlich kann diese Aufnahme nur empfehlen.