Norringtons Einspielungen zeichnen sich durch zwei besonders auffällige Eigenschaften aus: Zum einen durch äußert rasche Tempi, und zum anderen durch den völligen Verzicht auf jegliches Vibrato. So auch im Fall der Vierten von Bruckner. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Aufnahme im Stil der historischen Aufführungspraxis, denn die Stuttgarter spielen auf modernen Instrumenten. Dennoch klingt ihr Bruckner ganz anders, als man ihn gewohnt ist.
Im Begleittext des Booklets betont Norrington, dass Bruckners Sinfonien, trotz der tiefen Gläubigkeit des Komponisten, eben keine geistlichen Werke seien und dementsprechend auch nicht als solche gespielt werden sollten. Und dank der schnellen Tempi kommt Norringtons Bruckner dann auch tatsächlich verblüffend spritzig und lebensbejahend daher. Gleichzeitig aber gewinnt die Sinfonie allein schon durch den vibratolosen Ton des Orchesters, den man unwillkürlich mit dem Barock assoziiert, eine erhabene, fast sakrale Aura. Zumal Norrington auch nicht auf triviale Effekte setzt, sondern die Musik für sich sprechen lässt. Bruckner steht hier Bach deutlich näher als Mahler. Das muss man nicht mögen. Aber die Stuttgarter spielen hinreißend brilliant, überzeugend und absolut in sich stimmig.