Eine gleich besetzte Aufführung hatte ich 1999 mit rauschendem Klangbild live vom Rundfunk mitgeschnitten: Mein Eindruck war etwas einförmig.
Diesen muss ich nun bei der CD revidieren: Die Aufnahmetechnik und das Orchester sorgen hier für ein detailfreudiges Hörvergnügen; ausgezeichnete Klangtiefe und Binnenstruktur, z.B. auch im Mitternachtslied, wo diese so nötig ist. Der Chor wird sehr gut "eingebunden". Nagano erfasst diese Sinfonie mit viel individueller Klugheit, so als ob er mit der Thematik sehr bekannt wäre. Eher spirituell als aufbrausend und nie zufällig bis zuletzt. Für diesen Preis ein Schnäppchen und vermutlich eine derzeit schwer zu überbietende Aufnahme. Nagano geht hier seinen Weg. Sein Mentor Bernstein hat mit einer einzigartigen, deftigeren Einspielung mit gellenden Kontrasten (Christa Ludwig, New York Philharmonic, Bernstein, DG
Sinfonie 3) die Messlatte auf Dauer hoch angesetzt. Bisher der vielleicht beste Mahler von Nagano, den ich gehört habe (vor dem Klagenden Lied, Symphonie Nr.8, Das Lied von der Erde/live). Für volle 5 Sterne müssten die stimmlichen Voraussetzungen der Mezzosopranistin überragender sein. Nach nochmaligem Hören des DSO Berlin kann es aber doch nicht mit den Wiener Philharmonikern unter Abbado [
Sinfonie 3] und irgendwie schwerlich mit dem NYP unter Bernstein mithalten: Es liegt am Wesen des Orchesterklanges selbst, der per se etwas dünner ist. Dennoch gelungen. Fazit: In meiner Bewertung hochgeschnellt irgendwo in den 4 Sternebereich.
Gustav Mahler: SINFONIE NR. 3 Mit Dagmar Pecková, Mezzosopran, Frauenchor des Rundfunkchors Berlin Frauenchor, Knabenchor Hannover, Deutsches Sinfonieorchester Berlin Orchester, Kent Nagano. DDD. Teldec. 2000/2007 (Live-Mitschnitte aus der Phiharmonie Berlin, Sept. und Nov. 1999)