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Und dennoch, meiner Ansicht nach kann Zanders Mahler auch im Konzert der ganz Großen durchaus bestehen.
Mit den Philharmonia Orchester steht ihm ein sehr guter, äußerst professioneller Klangkörper zur Verfügung. Sicher, es sind nicht die Berliner Philharmoniker, doch versteht es Zander hervorragend, das Letzte an Einsatz und Ausdruckswillen aus dem Philharmonia herauszuholen. Und so erlebt man eine Dritte Mahler, die bis zum Zerreißen gespannt ist. Zander liebt es, das Außergewöhnliche und Extreme dieser Musik, die für uns heute oft schon allzu vertraut und fast gefällig klingt, wieder hörbar zu machen. Besonders im ersten Satz kommt man kaum zum durchschnaufen, denn wenn "Pan erwacht" (nach Mahlers verworfenem Programm), dann entfesselt Zander all die Klangmassen, die dieses Monstum einer Symphonie aufbietet. Dabei hält er sich immer peinlich genau an Mahlers Vorgaben. Überhaupt ist Zander, wie es scheint, ein hochkompetenter, ganz und gar nicht eitler Vertreter seines Fachs, der stets im Dienst des Komponisten und seiner Musik steht.
Benjamin Zander ist, wie immer bei seinem Mahler Zyklus, bestens vorbereitet, was man auch der wunderbaren Bonus CD entnehmen kann, auf der Zander (auf Englisch) uns fast 80 Minuten lang in Mahlers Dritte und seine Sicht der Dinge einführt. Dabei ist profundes Wissen und große Begeisterung für die Sache zu spüren. Allein wegen diese Bonus-CD hat sich der Kauf für mich schon gelohnt. Auch das Booklet (wie die Bonus CD ausschließlich in Englisch!) ist umfangreich und sehr informativ.
Duch im Zentrum stehen natürlich die beiden aufnahmetechnisch hervorragenden SACDs mit Mahlers Dritter. Und hier versteht es Zander durchaus, der ganzen Geschichte seinen Stempel aufzudrücken. Er entlockt dem Orchester ein Höchstmaß an Ausdruck, hat dabei immer die Klang-Balance hervorragend im Griff und schafft es, Mahlers Anweisungen sehr genau zu befolgen, ohne dass er die Architektur der Symphonie aus den Augen verliert. Er arbeitet alle Details hervorragend heraus, dennoch zerfallen ihm die Sätze nicht. Er kann die Spannung halten und die Zusammenhänge hörbar machen. Neben dem gewaltigem Kopfsatz gelingen Zander vor allem die Binnensätze sehr gut. Sie sind stimmig und stimmungsvoll, voller Leben und voller Liebe (nicht nur fürs Detail). Auch Frau Paasikivi, die Gesangssolistin und die Chöre genügen hohen professionellen Ansprüchen.
Einziger Kritikpunkt ist meiner (sehr subjektiven) Ansicht nach der letzte Satz, das große Adagio, dem noch mehr Wärme und dunkle Farbe im Klang (hier werden die Grenzen des Philharmonia höbar), aber auch noch mehr an innerer Ruhe und zugleich glühende Intensität gutgetan hätten. Aber welcher heutige Dirigent - nach dem Tod Celibidaches, und der hat ja leider keinen Mahler gespielt - wäre da nicht an Grenzen gestoßen.
Trotz der kleinen Einschränkung ist diese Aufnahme für mich absolut gelungen. Sie ist vor allem auch als Gesamtpacket ein Erlebnis: 2 SACDs, Top Aufnahmequalität, eine tolle Bonus CD und nicht zuletzt eine sehr stimmige Interpretation. Ich habe der Kauf dieses Sets keine Sekunde lang bereut - daher gibt es von mir auch 5 Sterne und keine Zacke weniger.
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