Die Einspielung sämtlicher Sinfonien von Arnold Bax, den man mit Fug und Recht als bedeutendsten englischen Komponisten des 20. Jahrhunderts bezeichnen kann, ist eine nicht genug zu rühmende Großtat des Labels Naxos. Das Royal Scottish National Orchestra (RSNO) unter David Lloyd-Jones liefert eine in jeder Beziehung überzeugende Darstellung der Sinfonien 1 bis 5 und 7 (die Interpretation der 6. Sinfonie fällt leider deutlich schwächer aus). Damit gibt es jetzt eine preisgünstige Alternative zu der Gesamteinspielung mit dem London Philharmonic Orchestra unter Bryden Thomson, die in den 80er Jahren bei Chandos erschienen ist. Lloyd-Jones und das RSNO sind bei Bax voll in ihrem Element: Die rhythmischen Finessen werden genauso überzeugend gestaltet wie die subtile Instrumentierung dieser hochkomplexen Musik. Der assoziative und konstruktive Aspekt der Sinfonien bilden in diesen Aufnahmen eine perfekte Einheit. Die Tondichtungen von Bax halten durchweg nicht das hohe Niveau seiner Sinfonien, sie bilden aber nichtsdestoweniger eine reizvolle Ergänzung. Wollte man die faszinierend widersprüchliche Vielschichtigkeit dieser "naturnah-künstlichen" Musik in eine Formel zwängen, so könnte man sie als "keltischen Dandyismus" bezeichnen.