Exakt hundert Jahre nach seinem frühen Tod im Jahr 1911 lassen die Major Labels den größten Komponisten des 20. Jahrhunderts noch einmal machtvoll wiederauferstehen. Nichts bietet sich da mehr an als Mahlers überwältigend grandiose Auferstehungssinfonie von 1894. Nachdem Mariss Jansons als erster Großmeister eine bemerkenswerte Einspielung vorgelegt hat, ist nun Simon Rattle, populärer Chef der Berliner Philharmoniker, an der Reihe. Der ebenso wohlfeilen wie perennierenden Kritik an den großen Plattenfirmen und ihren Vertragspartnern kann in diesem Falle entgegengehalten werden, dass Rattles erneute Aufnahme von Mahlers 2. Sinfonie durchaus gelungen ist. Freilich, Rattle ist der Rockstar unter den Dirigenten: Die gewollte Modulation, die schon seiner Aufnahme mit den Sinfonikern aus Birmingham attestiert worden ist, findet sich auch hier. Und Rattle lässt es richtig krachen: Ein quasi percussiver Mahler mit großer Dynamik - die übrigens aufnahme- und klangtechnisch gut eingefangen worden ist. Manchmal kommt da angesichts der Thematik - der Kopfsatz immerhin heißt Todtenfeier - etwas zu viel gute Laune auf. Aber die entspricht ja durchaus Mahlers Neigung zur Euphorie am Ende seiner Sinfonien. In Rattles Lesart gerät der erste Satz unversehens zur Sinfonia innerhalb der Sinfonie - immerhin interessant. Interessiert durfte man vorab auch zur Kenntnis nehmen, dass die Familie Rattle-Kozena wieder einmal ein gemeinsames Projekt in Angriff genommen hat: Magdalena Kozena agiert neben der britischen Starsopranistin Kate Royal als zweite Vokalsolistin. Das entspricht der Anlage insbesondere des Finales durchaus, trübt im Ergebnis aber das Gesamtbild ein wenig. Zwar harmonieren beide Solistinnen stimmlich recht ordentlich - ohne allerdings allzu sehr zu berühren -, aber Magdalena Kozena kommt ihr Ursprungsidiom gehörig in die Quere. Das klingt merkwürdig und ist ihr bei zahlreichen Bach-Kantaten noch nie passiert. Damit bestätigt sich ein Eindruck: Trotz eines recht respektablen Einstands ins Mahler-Fach mit Boulez und Gerhaher eignet sich die brillante Barockspezialistin nicht für diesen Stoff. Insgesamt aber eine klangvolle, dramatische und akzentuierte Einspielung, der man das Engagement, den Mut zu dem einen oder anderen kleinen Experiment und die Musikalität aller Beteiligten durchweg anhört.