Man kann es vielleicht verstehen, warum so viele Leute Anstoss nehmen an dem "Image" Karajan's, ein "Image" dass er natürlich selbst auch sehr aktiv gefördert hatte. Trotzdem tut sich der Zuhörer eine Ungefälligkeit an, wenn er sich von diesem Medien-"Image" verblenden lässt! Ein Beweis dass Karajan wirklich einer der grössten Diregenten des letzten Jahrhunderts war, ist die Tatsache dass viele seiner Aufnahmen noch immer als Referenzen dienen.
So ist das auch mit dieser Aufnahme der Schostakowitsch Zehnten, ein werk das sehr hohe Ansprüche an die Virtuosität und Einfühlung eines Orchesters stellt. So zB ist diese Einspielung einer der wenigen, die das Scherzo fast in dem vom Komponisten angezeigten Tempo zu spielen wagen! Die Berliner spielen mit einer Hingabe die hinreissend ist. So zB wenn die Hörner das Hauptthema im dritten Satz unison und fortissimo so herausschmettern, dass der Klang fast zu knattern anfängt! Man fühlt sich beim Anhören wie beim Geschehen eines ursprünglichen Schaffens gegenwärtig!
Aber abgesehen von der atemraubenden Virtuosität und den klanglichen Abenteuer ist es vor allem die Interpretation Karajan's die über allem steht. Die Brutalität des Scherzo zB, das ja ein Bildnis Stalins darstellen soll, trifft den Zuhörer mit der Gewalt einer geballten Faust. Hier wird in wenigen Minuten eine ungeheure Geschichte erzählt, ohne dass irgendwelche Worte oder programmatische Erklärungen notwendig wären!
Sofort kaufen, ist meine Empfehlung, auch für die die nicht unbedingt Karajan-Bewunderer sind! Was hier passiert hat nichts mehr mit "Image" zu tun!