Bei Verdacht, dass ein Angehöriger Alzheimer haben könnte, sollte man dieses Buch auf jeden Fall lesen. Auch wenn die Diagnose schon feststeht, kann es eine wichtige Hilfe sein.
Das Buch lässt einen nicht mehr los und durch den gut lesbaren Schreibstil kann man es in einem durchlesen. Die Autorin beschreibt darin wie der Verlauf der Alzheimer-Krankheit bei ihrer Mutter voranschreitet, aber auch welche Auswirkungen dies auf die Angehörigen, vor allem auf sie selbst, hat.
Weil sie keine Hilfe findet, wie sie damit umgehen soll, hat sie dieses Buch für alle geschrieben, die in ihrer Lage sind, vor allem aber dass man die Krankheit schon im Anfangsstadium erkennen kann, wo es noch Möglichkeiten gibt sie mit Medikamenten hinauszuzögern.
Deutlich wird, dass je hilfloser die Patienten werden, die Angehörigen mehr und mehr von sich selbst aufgeben müssen (Privatleben, Beruf), wenn sie sich für die Betreuung entscheiden, die irgendwann rund um die Uhr stattfinden muss.
Immer wieder gerät man dann auch in peinliche Situationen beim Einkauf, Frisör u.s.w., wo man entweder gezwungen ist darüber hinweg zu sehen oder sich immer wieder zu rechtfertigen und Erklärungen abgeben muss, weil Nichtbetroffene mit dem teilweise seltsamen Verhalten nichts anzufangen wissen.
Schon lange bevor es dramatisch wird, gibt es viele Anzeichen, was der Autorin auch erst zu einem sehr späten Zeitpunkt klargeworden ist. Die Patienten verstecken ihre nach und nach auftretenden Unzulänglichkeiten anfangs auch gut und schreiben sich wichtige Sachen auf.
Nach Erfahrung der Autorin ist es ratsam, spielerisch auf das seltsame Verhalten einzugehen und "mitzumachen" und den Patienten das Gefühl zu geben, dass sie im Mittelpunkt stehen.
Besonders schlimme Phasen waren für die Tochter, Entscheidungen zu treffen hinsichtlich Entmündigung, Unterbringung im Pflegeheim und als sie von ihrer eigenen Mutter nicht mehr erkannt wurde. Man kann nach der Lektüre nur höchsten Respekt der Leistung der Tochter entgegen bringen, besonders da zusätzlich zu der Belastung durch die Alzheimer-Krankheit mehrere Todesfälle unter Freunden und Angehörigen zu beklagen waren und deshalb wenig Hilfe zu erwarten war.
Die Autorin opfert sich wirklich auf und ihre eigene Gesundheit leidet massiv darunter, auch als sie schon ihre Arbeitszeit reduziert hat und später sogar ganz ihre Arbeitsstelle aufgeben musste.
Das Buch macht gleichzeitig auch sehr betroffen, weil man sich sehr in die Lage der Tochter versetzen kann. Es gibt einem als betroffenen Angehörigen aber einen guten Überblick, was einen erwarten kann, so dass man eventuell frühzeitig noch Entscheidungen treffen kann, falls man sich einen solchen Kraftakt nicht zutraut oder nicht genügend Hilfe hat.
Nicht zuletzt kann das Buch auch bei Nichtbetroffenen dafür sorgen, dass sie bei einer Begegnung im Alltag mit ihnen unbekannten Alzheimer-Patienten mehr Verständnis aufbringen und dies für alle Beteiligten hilfreich ist. Und man kann nie wissen, ob es einen selbst mal erwischt oder man als Angehöriger damit konfrontiert wird.
Durch die sehr genaue Beschreibung kann man schon im Anfangsstadium Parallelen finden, bevor ein Arzt die Diagnose stellt.
Für diesen Fall ist man schon etwas darauf vorbereitet und findet im Anhang auch Adressen wo man weitere Hilfe finden kann.