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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine mutige Auseinandersetzung mit dem Vater Albert Speer, 19. März 2005
Von Ein Kunde
Margret Nissen beschreibt ihre Beziehung zu ihrem „privaten" Vater Albert Speer, den sie scharf von ihrem „historischen" Vater trennt. Die ersten Jahre ihrer Kindheit verbringt Margret Nissen in idyllischer Umgebung des Obersalzbergs weit weg von der tödlichen Realität der Menschenausbeutungs- und vernichtungsmaschine des Nationalsozialismus. Während Margret jegliches Mitwissertum fehlt, spekuliert sie im Laufe ihres Lebens immer wieder damit, wie viel ihr Vater und Hitler-Architekt von den Gräueltaten wissen musste und dafür verantwortlich war. Erst nach der Verurteilung des „historischen" Vaters im Zuge der Nürnberger Prozesse und der folgenden 20 jährigen Haftstrafe beginnt Margret durch den regelmäßigen Briefkontakt eine Beziehung zu ihrem Vater aufzubauen, in der sie ihrem Vater mit teilweise kühler Zuneigung begegnet. Margret findet zwar in ihr eigenes Leben, gründet eine Familie mit ihrem Mann Hans Nissen, doch die Berührungsangst mit der Vergangenheitsschuld des Vaters holt sie immer wieder ein. Als Albert Speer aus der 20 Jahre dauernden Haftstrafe entlassen wird, findet zwar die Rückkehr in seine Familie statt, jedoch scheinen seine Beziehungen zur Frau und zu den Kindern distanziert und unverbindlich. 1981 stirbt Albert Speer und die Familie inszeniert ein von der Öffentlichkeit abgeschirmtes Begräbnis, der letzte geheime Akt und Versuch der Familie die Vergangenheit endgültig zum Schweigen zu bringen. Dieses Buch ist einerseits Augenzeugenbericht, andererseits die berührende Darstellung einer Vater-Tochterbeziehung, die von Distanz und Fremdheit geprägt ist. Dieses Buch ist so spannend, sodass es zurecht den Anspruch erhebt in einem Stück gelesen zu werden.
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25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Erwartungen nicht erfüllt, 7. März 2005
Wer Albert Speers "Spandauer Tagebücher" und/oder seine "Erinnerungen" gelesen hat, wer sich generell für das Thema "Kinder von Nazi-Verbrechern und ihre Auseinandersetzung mit den Eltern" interessiert, der wird auch bei der Ankündigung eines Buches aufgemerkt haben, in dem eine seiner Töchter laut Klappentext ihre Lebensgeschichte erzählt und ihr Verhältnis zum Vater beschreibt. 223 Seiten zu diesem Thema versprechen eine detaillierte Auseinandersetzung mit diesem Thema. Was jedoch in diesen Seiten zu finden ist, besteht überwiegend aus "Lebensbeschreibung" und nur zu einem ganz geringen Teil aus "Auseinandersetzung". Diese Lebensbeschreibung ist ansprechend und gut lesbar geschrieben, und es gibt für den zeitgeschichtlich und psychologisch interessierten Leser auch durchaus interessante Eindrücke, etwa vom Schreiben der Briefe an den Vater im Gefängnis, das Tabuisieren der Stellung des Vaters im Dritten Reich, die peinliche allseitige Befangenheit, als er nach 20 Jahren Haft entlassen wird. Die Auseinandersetzung besteht häufig in der Aussage, dass Margret Nissen eben dieser Auseinandersetzung ausgewichen ist. Der Titel weckt hier Erwartungen, hinter denen das Buch zurückbleibt. Margret Nissen gibt selbst (und an mehreren Stellen im Buch) zu, dass sie der Auseinandersetzung mit der Schuldfrage ihres Vaters quasi ihr Leben lang aus dem Weg gegangen ist. Und wer könnte es ihr verübeln, da die Familie das Thema totschwieg - verständlicherweise, wer wollte den ersten Stein werfen? Es kann niemanden ernstlich verwundern, dass ein Mensch Angst vor einer Situation hat, in der die Integrität, der moralische Status eines anfangs geliebten und später immernoch respektierten Vaters angezweifelt werden muss. Erst auf den letzten Seiten finden sich Ansätze einer kritischen Auseinandersetzung, die aber (wieder verständlicherweise) über verzweifelte Unsicherheit und Fragen kaum hinauskommt und vor einer konsequenten kritischen Auseinandersetzung zurückschreckt wie vor einem fürchterlichen Abgrund. Gegen Ende des Buches gesteht sie ganz offen ein, dass sie unangenehme Dinge und Fragen verdrängt hat und weiterhin verdrängen wird. Ehrliche, offene Worte, so wie das ganze Buch. Margret Nissen erwähnt Joachim Fests Speer-Biographie sowie Speers eigene autobiographische Werke. Gitta Serenys Werk "Das Ringen mit der Wahrheit: Albert Speer und das deutsche Trauma", das sich bohrend mit der Frage von Speers Schuld und seiner Wahrnehmung dieser Schuld befasst, wird nicht erwähnt. Niemand kann ihr ernsthaft einen Vorwurf daraus machen, dass sie sich letztlich nicht in der Lage sieht, tiefer in das Problem einzudringen. Vielen anderen wird oder würde es ähnlich ergehen. Ich bin sicher, dass es für Margret Nissen wichtig war, dieses Buch zu schreiben. Aber war es auch wichtig, daraus ein Buch zu machen, das gedruckt, verlegt und verkauft wird? Gekürzt, als Teil eines Sammelbandes, etwa aufgenommen in ein Werk von der Art Norbert und Stephan Leberts "Denn du trägst meinen Namen" - ja. Aber "Sind Sie die Tochter Speer?" scheint nicht recht zu wissen, was es denn nun sein will, und ich muss gestehen, dass mich das etwas enttäuscht hat. Noch einmal: Ich habe Respekt vor der Autorin und vor ihrem Leben, und die Schwierigkeit ihrer Situation wird ausreichend klar. Aber ich finde, dass das Buch seinem selbstgesteckten Ziel nicht gerecht wird.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Erwartungen nicht erfüllt, 8. März 2005
Wer Albert Speers "Spandauer Tagebücher" und/oder seine "Erinnerungen" gelesen hat, wer sich generell für das Thema "Kinder von Nazi-Verbrechern und ihre Auseinandersetzung mit den Eltern" interessiert, der wird auch bei der Ankündigung eines Buches aufgemerkt haben, in dem eine seiner Töchter laut Klappentext ihre Lebensgeschichte erzählt und ihr Verhältnis zum Vater beschreibt. 223 Seiten zu diesem Thema versprechen eine detaillierte Auseinandersetzung mit diesem Thema. Was jedoch in diesen Seiten zu finden ist, besteht überwiegend aus "Lebensbeschreibung" und nur zu einem ganz geringen Teil aus "Auseinandersetzung". Die Lebensbeschreibung ist ansprechend und gut lesbar geschrieben, und es gibt für den zeitgeschichtlich und psychologisch interessierten Leser auch durchaus interessante Eindrücke, etwa vom Schreiben der Briefe an den Vater im Gefängnis, das Tabuisieren der Stellung des Vaters im Dritten Reich, die peinliche allseitige Befangenheit, als er nach 20 Jahren Haft entlassen wird. Die Auseinandersetzung besteht häufig in der Aussage, dass Margret Nissen eben dieser Auseinandersetzung ausgewichen ist. Der Titel weckt hier Erwartungen, hinter denen das Buch zurückbleibt. Margret Nissen gibt selbst (und an mehreren Stellen im Buch) zu, dass sie der Auseinandersetzung mit der Schuldfrage ihres Vaters quasi ihr Leben lang aus dem Weg gegangen ist. Und wer könnte es ihr verübeln, da die Familie das Thema (verständlicherweise, wer wollte den ersten Stein werfen?) totschwieg? Wen wundert es, wenn ein Kind Angst vor einer Situation hat, in der die Integrität, der moralische Status eines anfangs geliebten und später immernoch respektierten Vaters angezweifelt werden muss? Erst auf den letzten Seiten finden sich Ansätze einer kritischen Auseinandersetzung, die aber (wieder verständlicherweise) über verzweifelte Unsicherheit und Fragen kaum hinauskommt und vor einer konsequenten kritischen Auseinandersetzung zurückschreckt wie vor einem fürchterlichen Abgrund. Gegen Ende des Buches gesteht sie ganz offen ein, dass sie unangenehme Dinge und Fragen verdrängt hat und weiterhin verdrängen wird. Ehrliche, offene Worte, so wie das ganze Buch. Margret Nissen erwähnt Joachim Fests Speer-Biographie sowie Speers eigene autobiographische Werke. Gitta Serenys Werk "Das Ringen mit der Wahrheit: Albert Speer und das deutsche Trauma", das sich bohrend mit der Frage von Speers Schuld und seiner Wahrnehmung dieser Schuld befasst, wird nicht erwähnt. Niemand kann ihr ernsthaft einen Vorwurf daraus machen, dass sie sich letztlich nicht in der Lage sieht, tiefer in das Problem einzudringen. Vielen anderen wird oder würde es ähnlich ergehen. Ich bin sicher, dass es für Margret Nissen wichtig war, dieses Buch zu schreiben. Aber war es auch wichtig, daraus ein Buch zu machen, das gedruckt, verlegt und verkauft wird? Gekürzt, als Teil eines Sammelbandes, etwa aufgenommen in ein Werk von der Art Norbert und Stephan Leberts "Denn du trägst meinen Namen" - ja. Aber "Sind Sie die Tochter Speer?" scheint nicht recht zu wissen, was es denn nun sein will, und ich muss gestehen, dass mich das etwas enttäuscht hat. Noch einmal: Ich habe Respekt vor der Autorin und vor ihrem Leben, und die Schwierigkeit ihrer Situation wird ausreichend klar. Aber ich finde, dass das Buch seinem selbstgesteckten Ziel nicht gerecht wird.
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