Simulacra gehört wohl mit Recht zu den zweitklassigen unter Dicks Romanen. Der Text wirkt konfus und hastig runtergeschrieben, vor allem im ersten Viertel, die Plotlines sind hanebüchen, und dennoch hat mich der Roman sehr gut unterhalten. Als komische SF oder Satire funktioniert Simulacra sogar besser als manch anderer Roman des Autors. Zwei Szenen haben mir besonders gefallen, einmal geht es um den "tödlichen" Körpergeruch eines phobischen Pianisten, ein andermal um eine "Familie von nebenan", bestehend aus vier Robotern, die gebaut wurden, um Kolonialisten auf dem Mars zur Seite zu stehen. In der Szene fungieren sie als Chor, während zwei Menschen sich unterhalten/ streiten. Auch ansonsten hat das Buch einiges an schrägen Ideen zu bieten: der Präsident ist ein Simulacrum, die First Lady das eigentliche Machtzentrum (doch sie hat ein Geheimnis). Ihre Aufgabe besteht hauptsächlich darin, das Unterhaltungsprogramm für das Weiße Haus zusammen zu stellen. Dann spielen noch Nazis eine Rolle. Göring wird aus der Vergangenheit geholt, um der First Lady zu helfen, und Neo-Neanderthaler warten darauf, dass sich der Homo Sapiens und seine mutierten Nachfahren gegenseitig auslöschen. Dann gibt es noch lebendige Werbung, die sich einem schmeißfliegenartig aufdrängt. Wie passend für Dick, dass ein Psychiater alle Figuren miteinander verbindet. Man muss sich auch mal klarmachen, dass Dick das alles 1964 geschrieben und als normale SF verkauft hat. Im amerikanischen Original versucht er sich mehrmals, jedoch ohne das nötige Können an der deutschen Sprache, aber das hat er mit seinem Biograph Sutin und Thomas Pynchon gemeinsam (was natürlich keine Entschuldigung ist). Wie gesagt, alles sehr aberwitzig, aber unterhaltsamer als Man in the High Castle, den ich doch etwas langatmig fand. Now wait for last year ist ein anderer guter B-Klasse-Roman. Dicks Meisterwerke sind Valis, A Scanner Darkly, Confessions of a crap artist und Transmigration of Timothy Archer. Ziemlich gelungen und sehr komisch ist noch der oft verkannte Roman Galactic Pot Healer. Die anderen kennt man: Do androids dream, Ubik, Martian Time-slip, Three Stigmata etc. Von den Non-SF-Romanen habe ich Mary and the Giant noch ganz gut in Erinnerung.