das beste an dem buch ist der titel. "simplify your life" ist eine maxime, die sicher für jeden richtig und wertvoll ist. was ist sonst noch gut?
also, da wäre zunächst das kapitel "vereinfachen sie ihre sachen". Es ist sicherlich eine gute idee, dies zur grundlage der lebensvereinfachung zu nehmen. Die tipps sind nicht neu, aber deshalb nicht schlecht, und die dargestellten zusammenhänge zwischen äußerlicher und innerer ordnung bieten durchaus eine motivation, den kampf gegen das chaos aufzunehmen.
dann ist da noch das kapitel "vereinfachen sie ihre zeit". lothar seiwert ist zu recht ein guru auf dem gebiet des zeitmanagement. dennoch - herr seiwert ist kein fauler author, soll heissen, es sind zig bücher von ihm auf dem markt, die das thema erschöpfend, dabei im einzelnen aber besser strukturiert und auf spezielle zielgruppen zugeschnitten behandeln.
schließlich enthält das kapitel "vereinfachen sie ihre finanzen" noch etliche grundsätzlich brauchbare tipps und kann anreize bieten, die sache wenigstens mal anzugehen.
das war es dann leider auch. die übrigen kapitel kann man sich getrost sparen. gesundheitsempfehlungen auf 30 seiten, die sehr an der oberfläche bleiben und in vielen teilen nicht den aktuellen wissenschaftlichen erkenntnissen entsprechen. beziehungstipps, selbsterkenntnis mittels enneagramm - alles willkürlich aus anderen ratgebern zusammengeklaubt und mit ein paar gut-menschlichen pfarrersweisheiten unterfüttert.
das hauptproblem des buches ist der umfassende anspruch, den es stellt. es soll quasi die quintessenz der gesamten lebenshilfeliteratur wiedergeben. sowas kann nicht funktionieren, oberflächlichkeit und entstellung der lösungskonzepte sind vorprogrammiert.
und dann, was soll man von tipps wie diesem halten: "bitten sie jemand anders, diese (fernseh-)sendung anzuschauen, und zeichnen sie das programm auf video auf. später fragen sie ihn, welche teile davon - wenn überhaupt - für sie interessant sind." um selbst zeit zu sparen, soll ich andere zumüllen?
was mich persönlich beim lesen außerdem geärgert hat: zwar geben die autoren zu, die ratschläge aus anderen büchern zusammengetragen zu haben, jedoch werden die quellen oft unterschlagen (beispiel: zum thema "aufschieberitis" wird das wirklich hervorragende buch "the now habit" von neil fiore auf 5 seiten zusammengefasst, im quellennachweis ist es jedoch nicht enthalten).
unangenehm fand ich auch die vielen imperative, den absolutheitsanspruch, die authoritäre schreibweise, mit denen diese oft banalen tipps präsentiert werden. zugegeben, das ist geschmackssache. geschmackssache sind auch die zeichnungen - ich würde sie mal als harmlos bezeichnen.
meine empfehlung daher: lieber gleich bücher zu den themen anschaffen, die einen wirklich interessieren, als in dieses unausgegorene sammelsurium von lebensweisheiten zu investieren.