Ein Album neu eingespielter Hits kann eine herbe Enttäuschung sein: Man erinnert sich mit Grauen an Chris Rea's "New light through old windows", denn das Feeling das die Hits vorher hatten, kann dabei völlig abhanden kommen. Daher auch anfängliche Skepsis bei dem neuen Werk von Simply Red...Eigentlich müsste das Album "An Evening with Simply Red" heißen, denn so hört es sich (abgesehen von den ersten zwei "Ausrutschern") an: Man sitzt in einer verrauchten Bar, raucht Zigarre und trinkt einen Whisky - und dazu spielt eine kleine Jazzband Hits von Simply Red.Die sehr jazzigen Interpretationen seiner großen Hits sind größtenteils sehr gelungen, wenn auch bei dem einen oder anderen Song nicht gleich ein Unterschied zum Original erkennbar ist (More, Sad old red). Dafür haben andere Hits wie Fairground durch die Neuinterpretation enorm an Tiefe gewonnen. Natürlich kann man perfekte Songs nicht noch besser machen: Holding back the years zeigt das sehr deutlich. Durch sparsames Feilen blieb der Song aber vor gravierender Verstümmelung verschont. Hier zeigt sich das Feingefühl, mit dem Simply Red auch schon anderer Schreiber Hits vergoldet haben: Aus I can't go for that von Daryl Hall und John Oates wurde Sunrise. Überraschenderweise fehlt dieser Track auf dem Album ebenso wie If you don't know me by now. Aus diesem Grunde ist es für mich auch kein echtes "Best of"-Album, sondern eher eine "Collection of Simply-Red-Jewels", in neuer Interpretation. Bis auf die zwei ersten Songs, die zwar auch gut sind, aber sich etwas verirrt zu haben scheinen, ein rundes, gelungenes Werk. Als eingenständige Songs, wie von Simply Red gedacht, werde ich sie allerdings nicht akzeptieren können. Dazu lagen die Originale zu lange auf meinem Plattenteller...