Neben dem Space-Chaplin Kostüm, der weissen Schminke, seinem bewusst eingesetzten deutschen Akzent (das rollende R!!) und der Dreizack-Frisur war es vor allem Nomi's Countertenorstimme, die den als Gesamtkunstwerk inszenierten Deutschen aus der Masse der New Wave Pop-Acts in den frühen 80ern herausstechen liess.
Im Grunde war das aber eigentlich ,nur` tanzbarer Synthie-Pop mit großem Hit-Potential, dem vor allem die Idee zu Gute kam, seinen klassischen Gesangsstil immer wieder in einem - eben - Popkontext zu präsentieren.
,Simple Man` war das zweite und letzte zu Lebzeiten erschienene Album des in Bayern geborenen Sängers und irgendwie ist es schade, dass trotz des anhaltenden 80er Electro und Synthie-Pop Revivals Nomi so gut wie nie jemandem als Referenz dient. Trotz der eingängien Songs hatte diese Musik nämlich auch Kanten und Ecken, wie man auf der hier enthaltenen Marlene Dietrich Coverversion von ,Ich bin von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt` oder auf der roboterhaften und schon stark in Richtung Yello und Kraftwerk tendierenden Nummer ,ICUROK` nachprüfen kann; und mit seinem Sound war Nomi in den frühen 80ern auch ganz vorne dabei. Originell auch die Idee in ,Rubberband Lazer`, Disco u. Redneck Country zu verbinden - (und allemal besser und erträglicher als ein Lied names ,Cotton Eye Joe` an das mit sich heute nur mehr Schaudern erinnert). Auf dem leider zu kurzen ,Wayward Sisters` bekommt man dann auch eine Ahnung davon, wie sich eine elektronische Oper anhören könnte. Der Titelsong ist großartiger Breitwandpop und die gänsehauterzeugenden und mit seiner klassischen Stimme gesungenen tracks ,Death` und ,Return` zeigen dann auch noch auf beeindruckende Weise, was da noch alles hätte kommen können, doch ein Jahr nach dem Release dieser Platte verstarb Nomi an den Folgen seiner Aids Erkrankung (und war der Auslöser dafür, dass diese Krankheit auch endlich auf breiter Ebene in den Medien thematisiert wurde).
Auf jeden Fall wäre es 30 Jahre danach an der Zeit den Mann zu würdigen - und sei es auch nur mit einer Neuedition seiner beiden LPs. Tiefrgündig und anspruchsvoll war das zwar nur selten, aber sehr originell und verdammt gut gemacht.