Es gibt mittlerweile eine Ganze Sparte an Büchern, die sich mit dem "Einfachen Leben" beschäftigen - wohl ein Spiegel einer Gesellschaft, die merkt das es keine Erfüllung bringt, die eine Hälfte seines Leben mit Konsumgütern ohne Wert und Sinn anzufüllen, während man in der anderen Hälfte in einer immer streßiger werdenden Berufswelt die Kohle dafür verdienen muß.
Erfrischend der Gedanke sich ein paar Hinweise für ein vereinfachtes Leben bei den Meistern dieses Fachs "abzugucken" - den Amischen und hierbei vielleicht den einen oder anderen Rat zu finden, der sich auch in der modernen Welt umsetzen läßt. Nun zumindest habe ich dies bei diesem Büchlein erwartet. Doch weit gefehlt...
Das ganze Büchlein ist mit naiv-dümmlichen Alltagsgeschichten gefüllt, die genausogut in irgendeiner x-beliebigen Familie stattfinden könnten. Nicht selten erweckten diese in ihrer Machart den Verdacht ein Produkt der Phantasie der Schriftstellerin zu sein - eine nicht ganz unbegründete Vermutung, ist die Autorin doch für ihre Romane über die Amischen bekannt.
Es wird gänzlich darauf verzichtet auf die Eigenheiten, die Werte und die Funktionsweise der Gesellschaft der "Amischen" einzugehen, welche so grundverschieden zu der unseren ist, das zumindest einleitenden Worte Klarheit hätten schaffen sollen. Doch statt dessen wird z.B. von einem Familienvater erzählt, der gelassen lachend statt tobend darauf reagiert, das er über ein kleines Kätzchen gestolpert ist. Wow - was für eine Erkenntis!
Am Ende einer jeden Erzählung gibt es dann so etwas wie eine einfache "Moral der Geschichte", in der darüberhinaus noch hauptsächlich auf die Rückbesinnung zu Gott und Religion Wert gelegt wird. Für die erstarkende christlich-fundamentale Bewegung in den USA sicherlich eine Hilfe. Für den aufgeklärten, modernen Menschen eher unfreiwillig komisch. Keine Frage, die Amischen sind eine auf extremer Religiösität begründete Gesellschaft - doch mein Leben wird nicht einfacher, wenn ich es noch zusätzlich mit Bibelversen vollstopfe.
Die Rezepte sind ok - keine großen Überraschungen und auch keine Besonderheiten. Auch hier kommt der Verdacht auf, die Autorin erzählt nicht ganz die Wahrheit. Irgendwie will ich nicht glauben, das Reiscracker in einer amischen Vorratskammer zu finden sind...