"Simon says" ist ein bekanntes Spiel, das ich vor etlichen Jahren selbst auf Kindergeburtstagen häufig gespielt habe. Hierbei gibt der Spielführer Simon seinen Mitspielern Befehle, die diese ausführen müssen, wenn die Befehle mit "Simon says" (also zu Deutsch Simon befiehlt) eingeleitet werden, fehlt dieser Zusatz, bleibt der Befehl wirkungslos und darf nicht ausgeführt werden. Eigentlich ist das also alles ganz harmlos, nicht jedoch, wenn es nach Frank Lauenroths Version gespielt wird, der deutsche Autor präsentiert uns im preisgekrönten Roman "Simon befiehlt" eine deutlich erwachsenere und gefährlichere Variante:
In der Einstiegsszene begegnen wir Trevor Man, der mit einer Urne auf das Empire State Building steigt, um von dort die Asche seiner Mutter über die Stadt verstreuen zu können. Doch schon der Rückweg birgt Lebensgefahr für Trevor, der unter Stress-Asthma leidet, das bei körperlicher Anstrengung oder Aufregung auftritt und Trevor eiskalt erwischt, als es einen Feueralarm gibt und er die 80 Stockwerke zu Fuß hinabsteigen soll. Nur knapp kann Trevor Man durch den Einsatz der hübschen Notärztin Fiona überleben.
So kostet ihn der letzte Wunsch seiner Mutter fast das Leben, allerdings entschädigt Trevor eine unverhoffte Erbschaft über 42 Millionen Dollar ein wenig, wäre da nicht die gleichzeitige Mitgliedschaft in einem mysteriösen Club, der zu einem lebensgefährlichen Spiel "Simon says" aufruft....
Von Anfang an schlägt Frank Lauenroth ein hohes Erzähltempo an, kaum hat er uns den Hauptprotagonisten Trevor Man vorgestellt, gerät dieser auch gleich in Lebensgefahr. Der Leser ist hautnah dabei und wird Zeuge von Trevors letzten Gedanken, bevor dieser ohnmächtig wird. Trevor ist klar, dass er den Abstieg vom Empire State Building nicht überleben kann, seine Gedanken sind dabei so schmerzhaft und panisch, dass es uns eiskalt den Rücken herunter läuft und wir bereits mit Trevor mitfühlen und mitfiebern, obwohl wir ihn doch kaum kennen.
Kurz nach Trevors Ausflug auf das Empire State Builing eröffnet Frank Lauenroth zwei weitere Handlungsstränge. Der eine entführt uns in Trevors Jugend, wo er durch Zufall das reiche Ehepaar McGuiness und ihren Sohn Barnaby kennen lernt, der andere berichtet von einem mysteriösen Casting, bei dem der gehbehinderte Alfred van Houten Assistenten für einen gefährlichen Auftrag sucht. Wie die drei Handlungsebenen miteinander verknüpft sind, erfahren wir erst spät, sodass wir unweigerlich an das Buch gefesselt werden, da wir endlich die Zusammenhänge aufdecken wollen.
Nebenbei streut der Autor einige Science Fiction-Elemente ein, bei denen ein Gecko eine entscheidende Rolle spielt, darauf muss man sich schon einlassen, aber am Ende wird man erkennen, dass auch diese Nebenstory seine Berechtigung und seinen Sinn hat. So macht überhaupt das ganze Buch einen sehr gut durchdachten Eindruck, Frank Lauenroth beschränkt sich darauf, seinen Lesern die notwendigsten Informationen zuteil kommen zu lassen, keine Information ist überflüssig, alles macht am Ende einen Sinn und führt zum großen Aha-Erlebnis.
Lauenroths Schreibstil ist nüchtern und geradlinig, aber dennoch absolut packend und temporeich. "Simon befiehlt" bietet eine überzeugende und interessante Mischung aus mehreren Stilelementen, hier passt einfach alles, sodass sich der literarische Ausflug nach New York absolut lohnt, um dort Trevor Man kennen zu lernen und mit ihm ein lebensgefährliches Spiel mitzuerleben.