Hella Pick beschreibt gekonnt und um Objektivität bemüht das Leben und Wirken Simon Wiesenthals, wobei drei Teile erkennbar sind:
Zunächst die Jugend Wiesenthals in der Ukraine, damals zu Österreich-Ungarn gehörend, mit Abstechern nach Wien, bis hin zur Nazizeit inklusive seiner Inhaftierung im KZ.
Daran anschließend seine große Berufung nach der Befreiung: Die jagd nach den Tätern, sein Motto: "Nicht Rache sondern Gerechtigkeit". Dabei sind zwei Dinge interessant zu beobachten. Auch ein Wisenthal ist nicht frei von Eitelkeiten, auch ein so sensibles Thema ist nicht frei vom Konkurrenzkampf der "Jäger" untereinander. Interessant und erschütternd die Nonchalance, mit der die Verantwortlichen- sowohl in Österreich und Deutschland, als auch die Siegermächte - mit dem Thema der Kriegsverbrecher und Völkermörder umgehen.
Der dritte Teil befaßt sich mit Wiesenthals Rolle als Teil der Österreichischen Innenpolitik und seinem gespannten Verhältnis zu Bruno Kreisky. Hier sind im wahrsten Sinne des Wortes "Die Fetzen geflogen" - ein Konflikt zwischen dem Ost-Juden Wiesenthal und dem etablierten West-Juden Kreisky.
Ein Buch mit starken Seiten, das einen guten Überblick gibt und auch nicht davor zurückscheut, an der Ikone Wiesenthal zu kratzen. Nicht nur Held, auch teilweise ein eitler Mann aber auch Bürokrat. Ein wenig "fremdelt" das Buch für Österreicher, wenn die österreichsiche Innenpolitik aus der Sicht eines Ausländers, Hella Pick lebt in London, geschildert wird. Trotzdem lesenswert!