Die erste Fassung von Simon Boccanegra aus dem Jahr 1857 wurde vom Publikum heftig abgelehnt, so daß sich Verdi gezwungen sah, die Oper mehrmals zu verändern. Schließlich entstand eine stark überarbeitete Fassung im Jahr 1881. Obwohl diese Version viel besser beim Publikum ankam, gehört Simon Boccanegra bis heute zu den eher unbekannten Stücken Verdis. Das hat mehrere Gründe: Diese Oper hat keine einzige wirklich bekannte Arie, nur einen weiblichen Solisten, sehr langsame Tempi und die Handlung ist sperrig und etwas wirr, wobei etliche Elemente aus andren Opern, wie Trovatore oder Rigoletto, übernommen wurden.
Dennoch lohnt es sich, Simon Boccanegra zu hören, doch man wird schwer beim ersten Mal auf den Geschmack kommen, denn man findet wenig die typischen Stilelemente Verdis, die man aus Rigoletto & Co. kennt. Die Stimmung ist immer sehr ruhig, fast meditativ. Es gibt wenige Ausbrüche von Leidenschaft. Die Dialoge verlaufen langsam und ohne den typisch für Verdi drastischen Stimmungswechseln. Und vor allem hat das Orchester eine eigenständige Rolle. Hier beschränkt sich das Orchester nicht bloß auf eine Begleitung des Gesangs, sondern hat, Wagner ähnlich, eine dramatische Funktion. Deshalb ist für viele Simon Boccanegra keine Oper mehr, sondern ein Musikdrama. Wenn man so will, ist Boccanegra der Übergang zu Otello und Falstaff.
Diese Aufnahme mit Kiri Te Kanawa als Amelia und von Sir Georg Solti ist sehr schön, ohne Makel und relativ günstig und durchaus zu empfehlen. Für viele gilt die Aufnahme von DGG mit Abado, Cappuccili, Carreras usw. als Referenz.