Ausgehend von den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City, wo Simon Ammann einen spektakulären Doppelerfolg erzielte, erzählt der frühere Kommunikationschef* des Schweizer Skiverbandes Swiss-Ski die Geschichte von zwei Skispringern. Simon Ammann (Jahrgang 1981), der als Elfjähriger über ein Schnuppertraining zum Skispringen kam, und Andreas Küttel (Jahrgang 1979), der als Vierjähriger die allerersten Sprünge vom heimischen Sofa aus wagte, und als 7-Jähriger beim lokalen Schülerspringen teilnahm.
Der Schwerpunkt des Buches liegt eindeutig auf dem Sportlichen. Höhen und Tiefen, Erfolge und Misserfolge. Die Bedeutung des Materials: von der Kleidung bis hin zu den Bindungen. Natürlich auch die dazugehörigen Differenzen mit anderen Mannschaften, die Innovationen Anderer kritisch sehen und möglicherweise sogar dagegen vorgehen. Des Weiteren erhält man umfassende Informationen zur Schweizer Infrastruktur in Sachen Skisprung. Erst seit 2005 mit der Eröffnung der Schanzen in Einsiedeln gibt es wieder eine vernünftige Ausbildungsstätte. In den Jahrzehnten zuvor wurden vor allem Schanzen geschlossen, so dass fast nur noch Kleinschanzen übrig blieben. Es war die Millionenspende aus dem Nachlass eines Engländers, die den Start des Einsiedler-Projektes schließlich ermöglichte. Auch wenn in den Folgejahren finanziell nicht alles rund lief, sportlich gesehen waren diese Schanzen ein Erfolg.
Marc Wälti berichtet routiniert und erzählt detailfreudig von den sportlichen Ereignissen. Die Unterschiede zwischen Simon Ammann und Andreas Küttel werden betrachtet. Relativ wenig erfährt man jedoch zu Differenzen oder Meinungsunterschieden. Gab es sie nicht respektive selten oder soll hier das Bild von einem harmonischen Team herauf beschwört werden?
Quer durch das Buch wird immer wieder die FREUNDSCHAFT der beiden Skispringer erwähnt. Nur ein einziges Mal soll Küttel so etwas wie Neid gegenüber Ammann gefühlt haben (31). Das soll bei dem Springen von Oberstdorf gewesen sein, wo sich Simon Ammann für die Olympischen Spiele in Nagano qualifizierte. Bis zum heutigen Tage ist Simon Ammann damit der jüngste Teilnehmer einer Schweizer Olympia-Delegation, schreibt Marc Wälti. Der Einsatz bei der Vierschanzentournee kam im Übrigen überraschend, denn sein zuvor bestes Ergebnis war lediglich ein zweiter Rang in der Qualifikation beim traditionellen Weihnachtsspringen auf der alten Olympiaschanze in St. Moritz. Das Springen in Oberstdorf war somit sein erster Weltcupeinsatz. Dank einer guten Grundtechnik und seinem Mut konnte er jedoch auch ohne Erfahrung auf der Grossschanze die Chance nutzen. Aber zurück zu Andreas Küttel und der späteren Freundschaft der beiden Skispringer. Viele Belege für diese Freundschaft habe ich nicht gefunden. Sicher, die beiden waren Teamgefährten. Aber Freundschaft bedeutet doch in meinen Augen etwas mehr, als nur die gemeinsame Zeit im Training oder Wettkampf, und wenn Andreas Küttel die Beziehung als Ehe-ähnlichen Zustand mit einem ausgeprägten Rollenbewusstsein bezeichnet, so kann ich dies zwar akzeptieren, lieber wären mir jedoch Geschichten oder Anekdoten, die dies belegen. Indem Marc Wälti jedoch den Sport, das Training, die Erfolge (oder Misserfolge) in den Mittelpunkt stellt, wird dieser private Aspekt in den Hintergrund gedrängt. Immerhin erfährt der Leser, dass Simon Ammann der 'Götti' (auf Hochdeutsch: Pate) von Küttels Sohn Oliver ist. Ein Zeichen, dass es da doch noch mehr geben muss, schließlich bedeutet so ein Ehrenamt ja auch eine gewisse familiäre Einbindung.
Am Schluss des Buches: die statistische Daten. Übersichtlich erhält man dort den Steckbrief der beiden Sportler sowie ihre jeweiligen Erfolge in Kurzform. Wer sich nicht mehr erinnern kann, welcher Platz bei welcher WM, Vierschanzentournee, welchen Olympischen Spielen oder anderen Wettbewerben errungen wurde, kann dort nachschlagen. Literatur- und Bildnachweise gibt es natürlich auch.
Mein Fazit:
Viel Sport, wenig Privatleben. Locker und leicht erzählt, gut lesbar. Keine Skandale, kaum Differenzen, sondern eine Chronik mit Hintergrundinformationen. Aufgelockert mit zahlreichen farbigen Bildern.
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* Marc Wälti war lt. seinem Xing-Profil von März 2001 bis Juni 2008 in dieser Funktion tätig.