Zweifellos ist Gennadij Spirin ein einzigartiger Illustrator und seine Illustrationen üben dem entsprechend auf den Betrachter einen besonderen Reiz aus. Detailreichtum, ornamentale Vielfalt und Fantasie stellen vielfach bewusst Assoziationen zum Mittelalter und zu scheinbar "mittelalterlichen Bildern" her. Alles ist in höchster Perfektion gezeichnet und gemalt. Aber die Bilder sind auch von einer starken Manier geprägt und lassen keine künstlerische Entwicklung mehr erkennen. Es sind gewissermaßen sich wiederholende Bilder zu verschiedenen Geschichten. Einerseits ist die Manier bezaubernd, andererseits wirkt sie allmählich verbraucht. Das wird bei diesem Buch besonders deutlich, weil auch die illustrierte Geschichte weder fantasiereich und spannungsvoll ist, sondern einfach verschiedene Märchenmotive klischeeartig aufnimmt und daraus keine schlüssige Erzählung geworden ist; monoton erzählt, ohne wirkliche Entwicklung und Höhepunkt, der Schluss eher hergezogen, weil das Ende her musste und der Anfang das Ende vorgab. Nichts Neues, nichts wirklich Bewegendes. Also eine schwache Geschichte mit manieristischen Illustrationen. Vielleicht sollte sich Spirin auch nicht für jede Geschichte als Illustrator hergeben, Qualität braucht eben auch Kongenialität. Hier ist die Geschichte schwach, die Illustrationen nicht spannungsvoller und der lesende Betrachter bleibt gelangweilt. Von der vollmundigen Produktbeschreibung "dabei ist ein Buchkunstwerk entstanden, das die Kraft der Musik einzigartig zum Ausdruck bringt" kann keine Rede sein. Ich hatte Besseres erwartet und bin enttäuscht. Da Spirin mit seinen Illustrationen aber sonst wohl Illustrationsgeschichte geschrieben hat, könnte auch dieses Buch für Sammler einmal wertvoll werden.