2010 war nicht nur Fußballweltmeisterschaftsjahr, sondern es dürfte auch zum inoffiziellen Heckmeckjahr gekürt werden. Das erfolgreiche Kultspiel von Startautor Rainer Knizia hat heuer einige Sequels hervorgebracht. Neben der Reise- und Juniorvariante hier nun auch die Barbecueversion, die gegenüber den erst genannten aber völlig aus der Rolle fällt und mit zum Teil ganz neuen pfiffigen Ideen daherkommt.
Doch der Reihe nach: Aus der kleinen Wurmpackung ist eine herrlich rote, quadratische Box geworden, in der das Spielmaterial bestens aufgehoben ist. Apropos Spielmaterial, da hat sich einiges verändert. Die Dominosteine mit den Bratwurmportionen sind futsch, dafür finden sich nun griffige Würmer, Grillschnecken (die edlen Happen der Saison) und Teller, die in den verschiedenen Farben der Mitspieler gehalten sind, im Kasten. Darüber hinaus ward die Barbequesosse über die Würfel gegossen, heraus kamen acht edle, kastanienbraune Würfel, die statt der Ziffer Fünf nun auch noch die Ziffer Sechs beinhalten. Ganz schön viel Neues, aber das ist die Sache wert.
Grundsätzlich kann man bei Zoch stolz darauf sein, die Spiele optisch ansprechend zu gestalten (wie hier erneut geschehen) und Spielanleitungen mit auf den Weg zu geben, die humorvoll und zugleich präzise in die einfachen, aber dennoch variablen Spiele einführen. Kompliment erst einmal für dieses beständige Gelingen. Nun zu den Neuerungen: Das Würfelgeschehen, mit dem man entsprechende Punktzahlen erreichen muss, ist, abgesehen von den durch die Ziffer Sechs deutlich höheren Augenzahloptionen, gleich geblieben. Würmer und Ziffern beiseite legen, gut sein lassen oder Fehlwurf riskieren. Dann wird abgerechnet, je höher die Gesamtzahl umso mehr Würmer können abgegrast werden.
Statt den Steinen werden aber nun die eigenen Teller bei der jeweiligen Punktzahl platziert, aber erst bei zweien gehört einem das Feld und somit der Wurmschatz. Bis dahin haben die Mitspieler mit der gleichen Anzahl gewürfelter Punkte noch die Möglichkeit den fremden Teller herauszuwerfen und stattdessen den eigenen dort abzulegen. Damit ist der Spannungsbogen im Gegensatz zum Original deutlich gestiegen. Doch damit nicht genug. Wurde bisher bei einem Fehlwurf das höchst gelegene Plättchen aus dem Spielgenommen, wird nun stattdessen dort eine Grillschnecke abgelegt, für die man sich später nochmal Punkte anrechnen darf, sei es denn so, dass man sie erwürfelt. Eine schöne Idee, die Bonuspunkte in Form von Appetithäppchen ins Spiel bringt; dies erinnert auch an Trostrunden im Sport, in denen der Verlierer der ersten Runde weiter im, wiewohl erschwerten, Hauptfeld bleiben darf.
Das Heftige bei den Grillschnecken ist, dass sie auch die einzelnen Teller, also noch nicht komplett besetzte Felder der Mitspieler, verdrängen können. Ein strategischer Kniff ermöglicht es einem also mit absichtlichen Fehlwürfen, den Gegner zu schocken. Nicht fein, aber gemein, und genau das wollen doch die Freunde der sympathischen Zoch-Spiele erreichen.
Fazit: Das Kultspiel war und bleibt Kult, die Barbecueversion ist heiß und scharf wie ein leckeres Rippchen vom Grill, dazu süß und saftig wie das gewürzte Fleisch. Für alle Fans des Originals garantiert eine durchdachte und sinnvolle Erweiterung, für Neueinsteiger ein ebenso leicht wie fröhlich zu erlernendes Vergnügen. Die Möglichkeit dem Heckmeck aus dem Weg zu gehen ist somit glücklicherweise noch kleiner geworden.