Zugegeben, das Design ist klasse. Der Heli ist dem amerikanischen Chinook nachempfunden, oder - mit etwas Fantasie - der russischen Jak-24. Die zwei Doppelrotoren entwickeln ordentlich Power. Eine LED blinkt während des Fluges rot, eine weitere, blaue, am Bug lässt sich per Knopfdruck auf der imposanten Infrarot-Fernbedienung ein- und ausschalten. Aber leider ist der Tandemz aus meiner Sicht nur so gut oder so schlecht wie andere, ältere Picooz-Modelle. Warum?
Die Beschreibung verspricht eine 3-Kanal-Fernbedienung. Das klingt gut, ist es aber (zunächst) nicht. Der Heli lässt sich im Auslieferungszustand jeweils nur nach vorn ODER nach links ODER rechts steuern. Zugleich nach vorn und links (oder vorn und rechts)? Fehlanzeige. Das verhindert schon das Design der Fernbedienung - die Schablone am Steuerknüppel lässt keinen "Mittelweg" zu. Die lässt sich aber entfernen (--danke an C. Haberer für den Korrekturhinweis!--), dann kann man den Steuerknüppel wie einen Joystick bedienen, und es sind auch Rückwärtsflüge möglich - zumindest theoretisch. Bei meinem Heli klappt das aber nicht, er bricht beim Versuch stets nach hinten aus und gerät außer Kontrolle. Und dabei ist er schon im Normal-Flug oftmals schwer zu bändigen.
Entweder habe ich ein Montags-Modell erwischt, oder es liegt am Design des Helis. Was meine ich? Der vordere Doppelrotor ist zwar schwenkbar, jedoch nur nach links oder rechts, nicht nach vorn oder hinten. Somit gestaltet sich natürlich auch der Rückwärtsflug kompliziert, da die Steuerelektronik nun eben die Drehzahlen der Rotoren exakt aufeinander abstimmen muss. Besser "lenken" lassen sich zum Beispiel Modelle, die an der Rotorwelle eine Taumelscheibe und daran zwei Servos haben, die die Neigung der Scheibe und damit die der Rotorwelle beeinflussen (ab etwa 60 Euro) - eine solche Ausstattung bietet der Tandemz aber nicht. Die Alternative - ein Doppel-Rotor und am Heck ein horizontal liegender Heckrotor (ab etwa 30 Euro) - bietet sich bei diesem Modell nicht an.
Es gibt zwei Trimmregler für vor/zurück und links/rechts, eine Skala zeigt jeweils die gewählte Einstellung an. Das ist schon mal gut. Aber wenn man den Regler für vor/zurück ganz nach links (zurück) dreht, müsste der Heli entweder leicht rückwärts driften oder wenigstens in der Luft stehen. Tut meiner aber nicht - er strebt stets vorwärts, manchmal schneller, manchmal langsamer. Man muss wohl ein kleines Gewicht am Heck ankleben, damit sich dies ändert. Das kann es aber nicht sein, oder?!
Ein Glück, der Tandemz ist recht robust gebaut. Bei mir hat er bisher alle Abstürze relativ gut überstanden. Und die gibt es leider reichlich, weil die Steuerung eben oft Glückssache ist und man folglich bei Flugübungen in der Wohnung dauernd irgendwo aneckt.
Aufgesteckte dünne Plastik-"Leitwerke" am Bug und am Heck sollen eigentlich Anfängern den Einstieg erleichtern und den Heli stabilisieren. Mein Modell fliegt aber ohne das Plastikteil am Bug etwas besser. Und vielleicht würde es sogar beim Rückwärtsflug mitspielen, wenn ich auch das Plastik-Teil am Heck entfernen würde. Geht aber nicht so einfach: Ich hab es versucht, aber dabei fast ein Stück des Rumpfes abgerissen. Ebenfalls ärgerlich: Das filigrane Fahrwerk ist bei meinem Heli etwas schief befestigt, so dass ich ihn sicherheitshalber aus der Hand starten lasse.
Stelle ich mich zu blöd an? Glaube ich nicht. Ich besitze derzeit zehn verschiedene Modelle dieser Größenklasse und kann ganz gut vergleichen. Habe ich vielleicht nur ein mangelhaftes Exemplar erwischt? Möglich.
Mein Fazit ist jedenfalls: Ein Spaßmodell, das viel verspricht, aber wenig hält. Der Tandemz taugt als Gag fürs Büro. Wem es aber darauf ankommt, ein Modell halbwegs präzise zu fliegen, der sollte m. E. nach einem anderen Heli greifen. Dabei lohnt es, sich genau zu informieren und die bombastischen Werbesprüche der Hersteller zu hinterfragen.