Durch einen Bericht im irgendwo im Internet auf den PiccoZ von Silverlit aufmerksam geworden und aufgrund der guten Flugeigenschaften der X-Wing-Modelle optimistisch, bestellte ich im Frühjahr den PiccoZ, geliefert wurde dann Anfang August. Anscheinend gibt es aber noch große Engpässe, denn mittlerweile geht nur Vorbestellen. Auch bei ebay ist das Teil sehr rar und wird z.T. überteuert angeboten - also Vorsicht.
Nun steht er also da im kleinen schicken Karton und wirft erst mal viele Fragen auf : 2-Kanäle, Infrarot, so klein, das soll gehen? Also erst mal auspacken und ab auf die Briefwaage, die 9 g anzeigt - und klein ist er, wirklich klein, so das z.B. das Hauptzahnrädchen der Rotorwelle weit seitlich aus dem Rumpf herausragt und durch Klarsichthauben hübsch sicher abgedeckt werden muss. Der Rumpf selber ist aus dem bekannten weichen Schaum und damit wohl unzerstörbar, der Heckausleger ist ein dünner Kohlefaserstab - sicher auch eher durch Drauftreten gefährdet als durch Abstürze. Der Heckrotor scheint das empfindlichste Teil zu sein und wird von einem Motor direkt angetrieben, den man fast mit der Lupe suchen muss. So gibt´s denn auch den Heckrotor als Ersatzteil im Karton. Der Hauptrotor ist recht weich und elastisch hat eine erstaunlich starke Profilierung und Steigung und wird durch Paddel stabilisiert. Blattverstellung oder so was gibt's natürlich nicht. Ach ja und wenn man die Lupe noch zur Hand hat findet man auch an der rechten Seite den Schalter und die Ladebuchse - hübsch mit ON und OFF beschriftet (Lupe!), das hätte ich mir beim X-Wing auch gewünscht, das weiß ich nie wo ON oder OFF ist. Aber auch so merkt man beim PiccoZ sofort was ON ist, dann blinkt nämlich das ganze Rumpfoberteil hektisch in blauem Licht - offenbar ist der PiccoZ also ein Polizeihubschrauber - vielleicht zur Verfolgung straffällig gewordener Libellen - aber nur wenn sie nicht zu groß sind! Und die Fernsteuerung? - tatsächlich Infrarot, mit 6 AA-Batterien zu betreiben - mit Ladekabel in einem verschließbaren Fach. Und dann noch die Steuerhebel - wie für ein Auto - Gas links, Rechts-Links-Steuerung rechts und 2 Trimmtasten.
Vor dem Fliegen kommt das Laden, also schnell das Kabel aus dem Fach am Sender geholt und eingestöpselt, Sender einschalten und schon wird geladen. Schon nach wenigen Minuten erlischt die grüne LED am Sender, offenbar werden die Akkus geladen geliefert. Ansonsten dauert das Laden 20-30 Minuten, je nach Batteriesorte und Zustand.
Also stelle ich den PiccoZ auf den Teppich, gebe langsam Gas und versuche vorsichtig abzuheben, was leider die falsche Taktik ist. Hektisch hoppelt der kleine mit dem Geräusch einer elektrischen Zahnbürste auf dem Teppich herum, dreht mal links und mal rechts und wird auch schon mal vom eigenen Luftwirbel umgekippt. Zum Steuern und zum Trimmen komme ich so gar nicht erst. Also versuche ich es mit mehr Gas und bin erstaunt, dass der PiccoZ flott und senkrecht abhebt und dabei schon einen recht stabilen Eindruck macht. So kann ich mich erst mal an die richtige Gasdosierung zum Abheben und dann zum Höhe halten gewöhnen und versuche gleichzeitig mit der Trimmung das teils heftige Drehen auszugleichen. Kommt man bei diesen Versuchen den Möbeln zu nahe nimmt man am besten das Gas sofort weg und lässt den Kleinen auf den Teppich plumpsen, dabei passiert überhaupt nichts und sicher ist es schonender für die Mikromechanik als mit drehenden Rotoren irgendwo hängen zu bleiben. Aber auch das ist mit schon oft passiert bisher jeweils ohne Folgen. Von der Zimmerdecke sollte man Abstand halten, da sonst ein Sog entsteht und den PiccoZ unweigerlich an die Decke drückt, ein arger Test für das winzige Paddelgestänge, ich wundere mich dass es noch ganz ist. Schon beim ersten Flug gelingt es mir jeweils für kurze Zeit Höhe zu halten, mit der L/R Steuerung das Drehen auszugleichen und die Trimmung anzupassen. Dabei steht der PiccoZ stabil auf der Stelle ohne irgendwelche Ausbrechtendenzen - erstaunlich! Erstaunlich auch schon bei den ersten Versuchen die nicht enden wollende Motorlaufzeit, die einem viel Zeit zum üben gibt. Nach 2-3 Akkuladungen habe ich das Steuern soweit im Griff, dass ich den PiccoZ nur mit Gassteuerung auf konstanter Höhe halten kann, ohne dabei zu drehen. Gebe ich dann mehr Gas dreht er leicht rechts und steigt, beim Gaswegnahme dreht er links. So schaffe ich es im Wohnzimmer (25 qm) minutenlang in der Luft zu bleiben und immer besser das Drehen komplett mit der Steuerung auszugleichen. Der PiccoZ steht dann völlig ruhig auf einer Stelle und es macht höllisch Spaß z.B. direkt vor der Nase zu schweben. Zugluft mag der Kleine dabei gar nicht, ein offenes Fenster oder auch schon Personen, die durch den Raum gehen verursachen Luftwirbel, die den kleinen Heli Richtung Wand oder Möbel abdriften lassen. Hier macht sich dann erstmals der Nachteil der 2-Kanalsteuerung bemerkbar, die nur über das Gas ein Hoch und Runter und über die "Lenkung" das Drehen erlaubt. Aus der Zimmerecke kommt man so nicht mehr heraus uns es hilft nur das Notlanden. Zum Üben ist es aber eine große Hilfe nur 2 Funktionen zu haben. Wir haben noch einen Vier-Kanal-Heli (Dragonfly), den wir überhaupt nicht in den Griff bekommen.
Um nun aber trotzdem auch voran zu kommen bedient man sich eines Tricks. Durch leichtes Verdrehen des Heckauslegers nach links (in der Anleitung beschrieben - vorsichtig!) hebt der Heckrotor quasi den Heli hinten an und es geht ganz langsam nach vorne. Der Effekt verstärkt sich in Rechtskurven und nimmt in Linkskurven ab, das lässt sich nach kurzer Gewöhnung prima ausnutzen, um um die Lampe zu kreisen oder um auf dem Tisch zu landen. Zusätzlich gibt es noch Klebegewichte für die Rumpfnase, die den Vorwärtsdrang verstärken, bislang habe ich diese aber noch nicht benutzt, kann daher also nichts drüber sagen. Wahrscheinlich geht's damit schneller voran, vielleicht leidet aber auch die Flugzeit darunter. Der PiccoZ steht ansonsten recht gut im Futter und die Laufzeit ist enorm. Mit vollen Akkus kann man ihn flott vom Boden "wegreißen", innerhalb der ersten Minute ist er dann auch nicht ganz so ruhig, da das Gas nicht ganz stufenlos ist. Nach einer Minute wir es dann ruhiger, wobei für den Schwebflug ein gefühltes "Halbgas" ausreicht. So geht es dann weiter bis etwa ab 7 Minuten kontinuierlich mehr Gas gegeben werden muss, bis es nach 8:30 min nicht mehr zum Schweben reicht und der PiccoZ langsam auf den Teppich geht. Versuch man dann noch mal abzuheben schaltet sich der Heli nach kurzer Zeit komplett ab. Mittlerweile hat mein PiccoZ ca. 15 Akkuladungen (mit dem ersten Batteriesatz) auf dem Buckel ohne das irgendwelcher Verschleiß oder Defekte aufgetreten sind. Die Flugzeit liegt konstant zwischen 8:30 und 8:45 min
Fazit:
Der PiccoZ von Silverlit ist sein Geld wert. Er ist aus der Schachtel heraus flugfähig, übersteht die anfangs unvermeidlichen Abstürze und das Fliegen lässt sich aufgrund der einfachen Steuerung und der langen Motorlaufzeit schnell erlernen