JESU...selten war ein Bandname so zutreffend. Denn auch auf seiner dritten Veröffentlichung legt Justin K. Broadrick (TECHNO ANIMAL, FINAL) erneut "göttliches" vor. Hatte ich vor einigen Wochen noch meiner grenzenlosen Enttäuschung über das neue FINAL-Album "Final 3" Luft gemacht, bin ich nun über alle Maßen erleichtert.
Denn der neue JESU-Output "Silver" reiht sich musikalisch nahtlos an die beiden Vorgänger "Heartache" und "Jesu" an. Vor allem letztgenannter Longplayer zählt für mich eh zum sensibelsten, emotionalsten und schlichtweg besten was jemals auf CD gebrannt wurde.
Das Broadrick seine stilistische Linie strikt beibehalten hat, wird bereits nach den ersten Tönen des Titelsongs klar, der den Hörer mit seiner majestätischen Grundstimmung zu überzeugen weiß. Im (gewohnt) schleppenden Zeitlupen-Tempo fließt dieser Wahnsinns-Song dahin, und lässt dem Hörer hierbei kaum Zeit zum Luftholen. Es sind diese unvergleichlichen Melodien, dieses meditative Flair, dieser beschwörende Gesang von "Erlöser" Broadrick, diese musikgewordene Melancholie. Eine absolute Wohltat !!!
In dieselbe musikalische Kerbe schlagen auch gemächliche Klang-Wunderwerke wie "Wolves" und "Dead eyes". Letztgenannter Song basiert auf einem flimmernden Synthesizer-Effekt, welcher vorerst mit ruhiger - fast unmetallischer - Instrumentierung begleitet wird. Urplötzlich zerschneidet eines dieser unvergleichlichen Ohwurm-Riffs die Stille, ehe der Song sich zu einem typischen JESU-Song "aufputscht". Ebenfalls großartig !
Die größte Überraschung dieses 4-Trackers ist aber zweifelsohne "Star", welches mit einem treibenden Beat ausgestattet ist, und hiermit (selbstverständlich) aus dem Rahmen fällt. Wohlgemerkt, eigentlich ist "Star" ein typischer JESU-Song, wird aber durch das vergleichsweise schnelle Schlagzeugspiel fast schon in die Punk-Schublade gedrückt. Erst gegen Ende dieses tollen Smashers wird das Tempo ein wenig gedrosselt, und der Track findet wieder in emotionale und zutiefst impulsive Fahrwasser. So, aber wirklich genauso muss Musik im 21. Jahrhundert klingen !!!
Trotz seiner kurzen Spielzeit von knapp 29 Minuten, ist "Silver" für mich jetzt schon eines der heißesten Anwärter auf den Titel "CD des Jahres". So Herr Broadrick...und jetzt bitte schnellstens ein neues reguläres Album nachlegen. Sonst gibt's Mecker vom Meister !!!