Wie bei "Lone Star" dient eine Leiche als Katalysator, um ein gesellschaftskritisches Amerika-Portrait zu entwerfen. Johns Sayles wirft einen kritischen Blick auf die amerikanische Demokratie, auf den grossen Filz zwischen Politik und Wirtschaft uns auf die Rolle der Medien. Dabei zeigt er die Diskrepanz zwischen Ideal und Realität. Hinter der schönen Oberfläche findet sich eben nicht immer die heile Welt, wie es die Politiker versprechen. Sayles will den Zuschauern bewusst machen, dass vieles im Argen liegt. Die Diskrepanz zwischen Schein und Sein wird auch bildlich sehr schön deutlich gemacht. Auf der einen Seite ist die malerische Landschaft von Colorado, auf der anderen Seite das dreckige und verlogene Politikgeschäft sowie die Umweltzerstörung. Die Reden des Politikers werden als reine Worthülsen demaskiert.
"Silver City" ist eine kritische Antwort des unabhängigen Amerikas auf die Bush-Administration. Der Gouverneurskandidat Pilager und sein Vater, der Senator, spielen offensichtlich auf Vater und Sohn Bush an. "Silver City" ist ein grosser Ensemble-Film im Stile eines Robert Altman. Die Krimihandlung dient als roter Faden, um viele kleine Geschichten zu erzählen. So tauchen Politiker, Wahlkampfmanager, Lobbyisten, Unternehmer, Journalisten etc. im Film auf. Gerade weil sich Sayles kritisch mit dem Bush-Amerika auseinandersetzt, ist wohl ein Grund, dass er ein äusserst hochkarätiges Schauspieler-Ensemble hat verpflichtet können. "Silver City" ist ein intelligenter, gesellschaftskritischer Krimi mit ausgezeichneten Schauspielern. Solche Filme würde man sich mehr aus den USA wünschen.