Zitat:
"Damals war der stickige Betonsilo, mit seinen vielen Stockwerken, mit den Werkstätten, Hydrokulturgärten und dem Gewirr der Lüftungsrohre ein unermessliches Universum gewesen, eine weite Welt, die man nie zur Gänze erkunden konnte, ein Labyrinth, in dem er und seine Freunde sich für immer verirren konnten."
(S. 8)
"Nur die Verurteilten selbst konnten wissen, wie es war, vor der gelben Stahltür zu stehen und auf den Tod zu warten."
(S. 141)
"Ein Mensch verließ die Gemeinschaft und hinterließ das Geschenk seiner Nährstoffe, das Geschenk des Lebens."
(S. 165)
Inhalt:
Sie leben abgegrenzt von der Außenwelt. Weil diese Außenwelt lebensfeindliche Bedingungen bietet und jeder sofort stirbt, wenn er sich nach außen begibt. Die Umwelt ist hochtoxisch. Das Silo wurde gebaut, um sie zu schützen. Oder gibt es doch andere Gründe?
Holston, der Sheriff des Silos, lebt seit Geburt in diesem tief in die Erde gegrabenen Bau. Drei Jahre ist es nun her, dass seine Frau zur Strafe - der sogenannten Reinigung - in die Außenwelt geschickt wurde. Im Silo hat er Recht und Gesetz zu vertreten. Doch nun ist seine Zeit gekommen und er will seiner Frau folgen...
Jahns, die Bürgermeisterin bzw. Mayor des Silos, lässt sich von Deputy Marnes überzeugen, dass Juliette, eine Frau aus der Mechanik, die geeignete Nachfolgerin von Holston wäre. Zusammen begeben sie sich auf die Reise durch den Silo und können Juliette tatsächlich überzeugen, die Stellung des Sheriffs zu übernehmen. Aber diese Entscheidung trifft nicht bei jedem auf Gegenliebe... Der Chef der IT, Bernard Holland, scheint ein schmutziges Spiel zu spielen. Plötzlich sieht sich Juliette allein in ihrer neuen Funktion. Durch Zufall lernt sie Lukas kennen, der abends in der Kantine die Sterne im Monitor beobachtet. Lukas scheint bald ihr einziger Vertrauter zu sein. Und doch ist er ihr fremd.
Zu allem Überfluss wird sie nun unter Vorwänden für ein Vergehen verurteilt. Juliette wird in die Außenwelt geschickt. Und damit beginnt sich alles zu ändern...
Meinung:
Gleich zu Beginn muss ich darauf hinweisen, dass es sich bei "Silo" eigentlich um insgesamt fünf E-Books von Hugh Howey handelt, die nun als Komplettedition von Piper gedruckt erschienen sind. Hierzu kann ich nur sagen, dass dies definitiv eine gute Entscheidung war. Hätte ich die E-Books nacheinander angefangen zu lesen, hätte ich wahrscheinlich nach dem zweiten Buch aufgehört. Zum Glück konnte ich so am Ball bleiben und habe die Lust am Lesen nicht verloren. Ich bewerte dieses Buch deshalb auch als Gesamtwerk und nicht in einzelnen Teilen.
Anfangs habe ich nicht ganz so leicht in die Geschichte finden können, weil der Schreibstil doch recht einfach und die Protagonisten relativ flach geschildert wurden. Dieser Eindruck verflüchtigt sich jedoch nach und nach mit fortschreitendem Lesen der Geschichte und der Autor kommt so langsam in Fahrt. Nachdem ich ungefähr die Hälfte der im personalen Erzählstil in Vergangenheitsform gehaltenen Geschichte gelesen hatte, konnte mich der Plot mehr und mehr fesseln und ich flog förmlich durch die Seiten! Schade, dass der Autor diese Spannung nicht von Beginn an so aufbauen konnte, weil die Grundidee ja nun wirklich richtig gut ist. Nichts konnte mich jedoch davon abhalten, diesen interessanten Grundgedanken weiterverfolgen zu wollen und tiefer in die Geschichte einzutauchen. Kleine Unebenheiten und nicht immer logische Handlungen wurden für mich mit der weiteren Entwicklung eher zu Nebensächlichkeiten und schmälerten sodann meinen Lesefluss kaum.
Die Protagonisten selbst hat der Autor vorstellbar beschrieben. Tiefere Einblicke gewährte Hugh Howey nur bei einer überschaubaren Anzahl seiner Charaktere.
So fand ich Juliette als Charakter definitiv nachvollziehbar und konnte sie mir vor meinem geistigen Auge auch vorstellen. Juliette selbst ist auch vom ersten Moment an eine starke Protagonistin mit den entsprechenden Eigenschaften, die mich nie daran zweifeln ließ, dass sie die ihr gestellten Aufgaben auch bewältigen wird.
Bernard Holland, Chef der IT, ist der Bösewicht in diesem Plot. Seine Gedanken und Handlungen sind allein aufgrund seiner Rolle für mich am meisten erklärbar. Eine sympathische Person ist natürlich etwas anderes; aber wenn man einen Charakter hautnah als durchtrieben und intrigant empfindet, hat der Autor hier auf jeden Fall schonmal gute Arbeit geleistet.
Erwähnenswert finde ich noch das äußere Design. Hier sieht man die schier endlose Treppe, die im Silo durch die Etagen verläuft. Optisch ist das Buch also auch sehr gelungen und man könnte dies als Appetizer bezeichnen, der einen auf jeden Fall zum Kauf des Buches animiert.
Die Geschichte selbst erscheint mir in sich abgeschlossen zu sein. Ein Ende mit bösem Cliffhanger muss man nicht erwarten. Vielmehr läßt mich Hugh Howey mit den nun gewonnenen Erkenntnissen zufrieden zurück.
Urteil:
"Silo" ist eine etwas andere Dystopie, die zwar nicht von Beginn an, so doch mit weiterem Fortlauf der Handlung punkten kann. Für meine schönen Lesestunden vergebe ich deshalb an dieser Stelle gute 3 Bücher.
"Silo" ist definitiv ein Buch für alle, die nicht von Beginn an mit spannenden Szenen gefesselt werden müssen, einen entsprechend ruhigen Einstieg lieben und auf Erklärungen warten können, dafür aber mit immer wieder aufflackernden Spannungsbögen belohnt werden möchten.
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