summary in english: convincing step-by-step method; chapters according elo-level of reader; clear explanations, not too exhaustive variations; dont expect too much from 500 pages, by and large it is still an elementary course!
Endspiellehrbücher sind eine schwere Kost, egal auf welchem Level. Dieses Buch von Silman ist eine echte Ausnahme. Hier macht das Lesen und Studieren wirklich Spaß. Ich kann nicht genau sagen, woran es liegt, aber ich habe knapp 300 Seiten davon an einem Wochenende gelesen, größtenteils auf der Couch, ohne dass ein Brett nötig gewesen wäre. - Bei etlichen anderen Endspielbüchern habe ich nach ein paar Seiten aufgegeben.
Ich glaube, dass ein Teil dieser Motivationsleistung von Silman darin liegt, dass er die Informationen in kleine, wohlverdauliche Häppchen verpackt. Gerade wenn man von einem Endspieltyp genug hat und einem der Kopf anfängt zu rauchen, fängt er ein neues Kapitel an, und legt im Schwierigkeitsgrad wieder ein wenig zurück, um sich dann wieder zu steigern.
Das Neuartige / Ungewöhnliche an seinem Aufbau ist, dass er, wie erwähnt, nicht systematisch alle Endspieltypen (Bauer-, Figuren, Turm-, Damenendspiele) hintereinander abhandelt, sondern abwechselnd, gesteigert nach Schwierigkeitsgrad. Denn seine Kapitel sind nach Elo-Zahlen (des potentiellen Lesers) sortiert, von 1000 bis 2400. So behandelt er in jedem Kapitel das, was ein Leser von einem bestimmten Niveau bzw. Anspruch desselben wissen sollte.
Vorteil der Methode: Man wird nicht überfordert und gelangt schrittweise zur Erkenntnis.
Nachteil: Es fehlt ein bisschen die Systematik, wenn bestimmte Endspieltypen über verschiedene Kapitel im Buch verteilt sind. Auch über die Zuordnung von Schwierigkeitsstufen lässt sich streiten. Einige Beispiele aus der Sektion 1400-1599 sind schon ganz schön kniffelig, und erst zu Beginn des nächsten Kapitels erklärt er die triviale Remisstellung mit Läufer und falschem Randbauer. Aber das ist wohl nicht so gravierend.
Wichtiger ist wohl die Frage nach der inhaltlichen Vertiefung. Und da bin ich mir, trotz der Dicke des Buches, das ich jetzt zu großen Teilen schon durchgegangen bin, nicht ganz so sicher. Beispielsweise öffnete ich nach der Lektüre von Silman ein 80-Seiten-Anfängerlehrbuch von T. Schuster. Ich dachte, das müsste ich ja jetzt wohl alles wissen. Doch dann wurde ich z. B. über die sog. Bähr sche Regel (Bauernendspiel) belehrt, von der ich (glaube ich) bei Silman nichts gelesen habe. Auch bietet John Emms in seinem 150 Seiten dicken "survival guide of rook endings" zu diesem Endspieltyp deutlich mehr als Silman, wo z. B. Doppelturmendspiele fehlen. Man sollte sich also von den über 500 Seiten nicht zu sehr beeindrucken lassen.
Die letzten Teile (Elo 2200-2400) sind schon recht knifflig und haben mich (elo 2000) eher überfordert, da ging es auch schon ins späte Mittelspiel rein.
Trotz der o.g. Einschränkungen eine uneingeschränkte Empfehlung, weil das Buch instruktiv und unterhaltsam zugleich ist.